Papst richtet in Straßburg Botschaft der Ermutigung an EU

Foto: dpa/Bernd Weissbrod
Papst richtet in Straßburg Botschaft der Ermutigung an EU
Erstmals seit mehr als 25 Jahren spricht wieder ein Papst vor den Abgeordneten des Europaparlaments. Angesichts der aktuellen Krisen rief Franziskus dazu auf, mehr Vertrauen in die Menschen als "mit transzendentaler Würde begabte Personen" zu setzen.

Papst Franziskus hat die Europäische Union ermutigt, zu den europäischen Gründungsideen zurückzukehren, um Teilungen zu überwinden sowie Frieden und Gemeinschaft unter allen Völkern des Kontinentes zu fördern. Ein Vierteljahrhundert nach dem Ende des Kalten Kriegs sei die Welt vernetzter und weniger eurozentrisch, sagte er am Dienstag vor dem Europaparlament in Straßburg. Die Europäische Union sei zwar größer und einflussreicher geworden. Daneben gebe es aber das Bild eines "gealterten und erdrückten Europas", das dazu neige, sich weniger als Handelnder zu fühlen, ergänzte das Oberhaupt der katholischen Kirche vor den Europaabgeordneten.

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Zuletzt hatte Papst Johannes Paul II. im Oktober 1988, wenige Monate vor dem Ende der europäischen Teilung, vor den EU-Parlamentariern in Straßburg gesprochen. Die Schwierigkeiten, denen sich Europa gegenwärtig gegenübersieht, könnten zu machtvollen Förderern der Einheit werden, sagte Papst Franziskus in seiner auf Italienisch gehaltenen Ansprache. Dabei gelte es allerdings, Ängste zu überwinden, die Europa wie die Welt insgesamt derzeit durchlebe. Franziskus mahnte die Politiker, Vertrauen auf den Menschen zu setzen, "und zwar weniger als Bürger und auch nicht als wirtschaftliches Subjekt, sondern auf den Menschen als eine mit transzendentaler Würde begabte Person".

Papst Franziskus war am Dienstagmorgen zu einem Kurzbesuch in Straßburg eingetroffen. Er wurde am Flughafen der Europastadt von hochrangigen Vertretern der europäischen Institutionen begrüßt. Das Kirchenoberhaupt, das einer Einladung von EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) und Europarats-Generalsekretär Thorbjørn Jagland folgt, hält sich knapp vier Stunden in Straßburg auf. Am frühen Nachmittag wird der Papst im Europarat erwartet, wo er eine Rede zum 65. Gründungstag der Staatenorganisation hält.