Erschreckende Schadensbilanz nach Protesten in Pakistan

Erschreckende Schadensbilanz in Pakistan: Nach den verheerenden Ausschreitungen am Freitag mit 15 Toten und Hunderten Verletzten hat die Polizei mindestens 130 Menschen festgenommen, wie pakistanische Medien am Samstag berichteten.
22.09.2012 | epd

Die Regierung hatte am Freitag zu friedlichen Protesten gegen den Anti-Islam-Film aufgerufen, doch statt dessen zog ein aufgebrachter Mob plündernd und brandschatzend durch die Großstädte Peshawar, Karachi, Lahore und Islamabad und zerstörte Läden, Kinos, Tankstellen, Banken, öffentliche Gebäude und Autos. Insgesamt entstand ein Schaden in Millionenhöhe.

In Mardan, im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan, zündeten Demonstranten eine lutherische Kirche an und zerstörten den dazugehörenden Kindergarten und Wohnhäuser der Gemeinde. Angesichts der stundenlangen Straßenkämpfe zwischen Demonstranten und Polizei wurde auch Kritik am Vorgehen der Regierung laut, die den Freitag zu einem "Feiertag zur Liebe des Propheten" erklärt hatte, um Pakistanern die Chance zu geben, friedlich ihren Protest gegen den obskuren Anti-Islam-Film anzumelden.

Belohnung für die Ermordung des Filmemachers ausgesetzt

"Die Regierung scheint vor den Extremisten eingeknickt zu sein und hat ihnen die Initiative überlassen", schrieb die Zeitung "Express Tribune". In der Tat hatten zahlreiche religiöse Hardliner-Gruppen die Führung der Proteste übernommen. Pakistans Regierung war jedoch Kritikern zufolge mehr damit beschäftigt, ihrem Unmut gegen den Film Ausdruck zu verleihen als die Gewaltorgie der Demonstranten zu kritisieren.

Premierminister Raja Pervez Ashraf verlangte international anerkannte Gesetze, um Hassreden gegen den Islam zu unterbinden. Der Eisenbahn-Minister der Regierung, Ghulam Ahmed Bilour, setzte Medienberichten zufolge eine Belohnung von 100.000 US-Dollar für die Tötung des Film-Regisseurs "Unschuld der Muslime" aus.

Kommentare

Da kann man nur zynisch mit Tucholsky sagen:

Wie lange, Männer und Frauen,
seht ihr euch das mit an –?
Wenn sie sich heut selber verhauen:
Euch fallen sie morgen an!

Es istWirkochneine schwerste Provokation den Begriff "Liebe" in so einem perversen Zusammenhang entwertet sehen zu müssen. Diesen Scheißkerlen ist wirkich gar nichts heilig. Weder an die Allmacht Gottes noch an das Jüngste Gericht glauben diese atheistischen Mördermonster. Ich fordere alle großen Religionen der Welt auf diese Menschen aus jeder religiösen Gemeinschaft der Erde auszuschließen.

http://youtu.be/QYtIcg6-Rgw

Wenn Hass und Gewalt erst ausgebrochen sind, ist es zu spät. Schuld sind an diesen Ausbrüchen die, die Hass und Gewalt anheizen. Und der Ausspruch von Brecht, erst komme das Fressen, dann die Moral, klingt zynisch, aber es ist doch Wahrheit darin. Wir hätten genug Nahrung und Geld, um allen Menschen auf der Erde ein würdiges Dasein und sinnvolle Arbeit zu sichern. Aber das geschieht nicht, solange der Zugriff auf die Ressourcen der Erde nur einigen Wenigen möglich ist. Und diesen Zustand müssen wir mit vereinten Kräften ändern anstatt Banken und Gläubiger zu retten. Sonst fliegt uns tatsächlich bald die Welt um die Ohren. Es wird immer so getan, als könnten wir uns Armut nicht leisten. In dieser Perspektive stimmt das auch. Aber noch viel weniger können wir uns unverhältnismäßigen Reichtum leisten, ebenso wenig die zunehmend aggressive Art, wie der verteidigt wird.

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