In Karlsruhe reicht der Platz für Flüchtlinge nicht mehr
Foto: dpa/Uli Deck
In der Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge des Landes Baden-Württemberg (LASt) in Karlsruhe leben derzeit 1100 Menschen - auf Platz für 930.
Der Blick durch die Tür zeigt kein schönes Bild. Matratzen liegen herum, zerknüllte Papiertaschentücher, Kippen, dazwischen glänzt der Boden feucht. Eine Frau wischt um die Lager herum, auf der einige Männer liegen. Es ist stickig, zu viele Menschen für einen Raum. Das Matratzenlager war bis vor sechs Wochen die Teestube der Karlsruher Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge. Bis einfach zu viele kamen und zu wenige wieder gingen.
Die Landesaufnahmestelle, kurz "Last", ist komplett überlastet. Rund 1.100 Menschen leben hier derzeit. Gedacht sind die Gebäude für allerhöchstens 930 Menschen, "Obergrenze", sagt Leiter Manfred Garhöfer. Weitere 600 Flüchtlinge sind in "Außenstellen" in der Stadt untergebracht. Sprich: Arbeiterwohnheimen, Pensionen, kurzzeitig ein verlassenes Bürogebäude, was die Karlsruher CDU-Fraktion zu Protesten gegen die unwürdigen Zustände veranlasste. Nützt ja nichts, sagt Garhöfer: "Wir haben eben die Aufgabe, die Flüchtlinge und Asylbewerber aufzunehmen und vorübergehend unterzubringen." Eine logistische Meisterleistung sei das.
Überstrapazierte Ressourcen
Die Asylbewerberzahlen steigen seit längerer Zeit wieder an, bundesweit, auch in Baden-Württemberg. Tag für Tag kommen neue Flüchtlinge an, zuletzt vor allem aus dem ehemaligen Jugoslawien. Nacht für Nacht müssen sie irgendwo bei der "Last" ein Dach über dem Kopf bekommen. "Es ist nicht leicht, von heute auf morgen Unterkünfte zu organisieren", sagt Konrad Schaub, als Referatsleiter zuständig für die Aufnahme der Menschen. "Unsere logistischen Ressourcen sind mehr als überstrapaziert."
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Allein im Monat September sind rund 1.040 neue Asylbewerber gekommen. In den ersten neun Monaten des Jahres waren es fast 5.000, bis Ende des Jahres rechnet Garhöfer mit weiteren etwa 3.000. Sie alle stranden zunächst in der Landesaufnahmestelle. Von dort werden sie nach vier bis sechs Wochen weiterverteilt in die Städte und Gemeinden, die verpflichtet sind, sie gemäß bestimmter Quoten aufzunehmen. Nur: Genau da hakt es seit geraumer Zeit.
"In Jahren sinkender Asylbewerber-Zahlen haben viele Kommunen ihre Unterkünfte zurückgebaut", sagt eine Sprecherin des Gemeindetags. "Jetzt müssen viele relativ schnell wieder aufstocken und kommen da nicht ganz hinterher."
"Die Zustände sind so nicht hinnehmbar"
Man werde "weiter mit Nachdruck darauf hinwirken, dass die anderen 43 Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg ihrer gesetzlichen Verpflichtung zur Übernahme der zunächst in Karlsruhe aufgenommenen Asylbewerber nachkommen", heißt es aus dem Integrationsministerium. "Die Stadt Karlsruhe und das Land arbeiten gemeinsam daran, die Situation in der Stadt möglichst bald zu entspannen", sagte Ministerin Bilkay Öney (SPD) nach einem Gespräch in der "Last" vergangene Woche. "Wir sehen, dass es Tendenzen zur Verbesserung gibt, aber natürlich sind die Zustände so nicht hinnehmbar", sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete Alexander Salomon.
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Auf dem Gelände stehen die Menschen in Gruppen, ein Pulk sammelt sich sogleich, viele wollen erzählen, sich beschweren, sind aufgebracht. "Es ist schmutzig, die Toiletten stinken, wir schlafen seit Tagen auf Matratzen", klagt Maria Simic aus Serbien. Ihr Landsmann Dennis Demirov hält seine acht Monate alte Tochter Sanie im Arm, sie schläft, klein und blass. "Hier nicht gut für kleine Kinder", sagt er. "Bronchitis, müde."
Ein Toilettenwagen soll her, damit sich die hygienische Situation bessert, sagt Schaub. Der Kindergarten auf dem Gelände betreut inzwischen in zwei Gruppen 30 bis 40 Kinder auf einmal. "Im Moment ist die Situation echt angespannt", sagt Erzieherin Claudia Belgheck. Ende des Jahres werde sich die Lage wieder entspannen, ist Garhöfer zuversichtlich. Bis dahin sollen viele der Kommunen ihre Unterkünfte hergerichtet haben.


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