Nach dem Tod eines Babys sucht die Charité nach dem Grund
Foto: dpa/David Ebener
Die Berliner Charité nimmt wegen eines starken Keimbefalls auf zwei ihrer Stationen keine Frühgeborenen mehr auf.
Ein neugeborenes Baby ist in einem Berliner Krankenhaus an einer Blutvergiftung aufgrund einer Keiminfektion gestorben. Der Säugling mit einem angeborenen Herzfehler war zunächst in der Virchow-Klinik der Charité behandelt und dann für eine Operation ins benachbarte Deutsche Herzzentrum verlegt worden, wie der Leiter der Neonatologie der Charité, Christoph Bührer, am Samstag erklärte. Fünf Tage nach der Operation starb das Neugeborene im Herzzentrum an einer Infektion mit sogenannten Serratien-Keimen.
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Wo sich der Säugling infiziert hat, war zunächst nicht gänzlich geklärt. An der Charité hatte es zuletzt sieben Erkrankungen mit dem Erreger gegeben. Bei weiteren 15 Kindern wurde der Keim gefunden, sie gerieten aber nicht in Gefahr. Die Uniklinik verhängte zunächst einen Aufnahmestopp an zwei ihrer fünf spezialisierten Stationen.
Ein Zusammenhang des Todesfalls mit Erkrankungen wegen des Erregers an der Charité sei wahrscheinlicher als andere Ursachen, sagte Bührer. "Wir suchen das Problem zunächst bei uns, und nicht bei anderen." Fünf Tage vor der Verlegung ins Herzzentrum war der Erreger bei einem letzten Test bei dem Säugling noch nicht gefunden worden.
Ausbruch schon am 8. Oktober
Die am Virchow-Klinikum der Charité entdeckten Erreger gelten eigentlich als weniger gefährlich als die multiresistenten Keime, an denen in Bremen mindestens drei Frühchen gestorben waren. Die Serratien-Keime seien nicht multiresistent, hieß es. Sie seien aber offenbar gut übertragbar. Betroffene Säuglinge wurden daher unter Quarantäne gestellt. "Diese Quarantäne ist die wichtigste Maßnahme, um den Ausbruch einzudämmen", sagte Bührer.
Am 8. Oktober sei der Ausbruch festgestellt worden, weil bei zwei Kindern derselbe Keim in Blutkulturen nachgewiesen worden war, erklärte der Neonatologie-Chef. In der Neonatologie werden Frühgeborene und Neugeborene mit schweren Erkrankungen behandelt. "Die betroffenen Kinder wurden sofort antibiotisch behandelt", sagte Bührer. Die Therapie habe auch sehr gut angeschlagen. Das Gesundheitsamt sei sofort informiert worden.
Die Versorgung der kleinen Patienten sei weiterhin sichergestellt, sagte der Ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. Angehörige der Säuglinge würden zudem psychologisch betreut.
Eine keimfreie Welt gibt es nicht
Bei der Suche nach der Quelle für den Ausbruch tappt die Charité noch im Dunkeln. Anfang Juli sei ein erster Fall aufgetreten, erklärte Frei. Ob ein Zusammenhang zu der Welle von Erkrankungen von Anfang Oktober besteht, soll eine weitere Untersuchung zeigen. "Das Puzzle ist noch nicht gelöst."
Serratien kommen in der Darmflora von Menschen, aber auch in der Umwelt vor. Für Frühgeborene und schwer kranke Säuglinge seien sie besonders gefährlich, hieß es. Eines müsse man aber festhalten, betonte Frei: "Die Umwelt, alles ist voll Keime." Der Ärztliche Direktor verteidigte die Hygienemaßnahmen der Charité. "Wir sind, was Hygiene im Krankenhaus angeht, sehr streng und sehr bemüht."
Angesichts der aktuellen Fälle würden nun Salben, Lösungen und Waschlotionen überprüft und ausgetauscht. Die Charité arbeite daran, die Säuglinge der beiden Stationen auf einer Station zusammenzulegen, damit die andere desinfiziert werden könne, erklärte Frei.
Strengeres Hygienemanagement nötig?
Der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Heiko Thomas, forderte ein strengeres Hygienemanagement in Berliner Krankenhäusern. "Das Kostenargument darf hier nicht zählen", erklärte er.
In Bremen waren seit dem vergangenen Jahr mehrere Frühchen an den Folgen von Infektionen mit multiresistenten Klebsiella-Bakterien erkrankt, drei starben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt unter anderem wegen fahrlässiger Tötung gegen den ehemaligen Chefarzt der Frühchenstation. Der Landtag setzte einen Untersuchungsausschuss ein.


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