Mit Engelszunge redde wie de Barack Obama
Predigten in Dialekt und Mundart sind beliebt
Foto: Fotolia/Marc Dietrich
Bei den Predigten nach Mundart wird die Bibel passend übersetzt.
Was im Schwäbischen schon länger Tradition ist, kommt auch in anderen Landesteilen Baden-Württembergs und darüber hinaus gut an: Das Predigen im Dialekt. Die Ruhestands-Pfarrer Rudolf Paul und Wilhelm Kern predigen regelmäßig auf schwäbisch. Paul hat sogar 2008 die Bibel aus den Urtexten ins Schwäbische übersetzt.
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Mit der "Muttersprache" sei man näher an Gemüt und Seele der Menschen, ist Kern überzeugt. Darüber hinaus könne man auf schwäbisch Sachverhalte "treffender und kürzer" ausdrücken als in der Hochsprache. Mundart-Predigten gibt es nicht nur im Ländle, sondern in vielen Regionen Deutschlands: Ob plattdeutsch, saarländisch, fränkisch, hessisch oder rheinländisch - Pfarrer nähern sich ihren Gemeindegliedern, indem sie auch im Gottesdienst ab und zu im Dialekt predigen.
Kurz, knapp und verständlich sprechen
Der badische Pfarrer Thomas Leonhard nutzt den Dialekt um Menschen neu anzusprechen. Mit seinen Predigten will er seinen Landsleuten "aufs Maul schauen". Damit folgt er dem reformatorischen Prinzip Martin Luthers (1483-1546): "Tritt frisch auf! Tu's Maul auf! Hör bald auf!" Auch Leonhard will kurz, knapp und verständlich predigen, in der Sprache seiner Zuhörer.
Doch leicht sei es nicht, in Mundart zu predigen, meint der evangelische Theologe in Pforzheim. Dazu müsse man die Menschen am Ort, ihre Sprache, ihre Mentalität sehr gut kennen. "Man muss mit den Leuten sehr vertraut sein, sonst wirkt es gekünstelt", erzählt er. Er predigt nur ein paarmal im Jahr in Mundart - zu besonderen Anlässen, etwa beim Spätgottesdienst an Weihnachten. Mundart komme menschlich daher.
Kritiker: Zu provinziell, zu derb
"Die Leute fühlen sich ernst genommen und angesprochen", sagt er. Manchmal sei es nicht einfach, biblische Texte in Mundart zu übertragen. Wort für Wort- Übersetzungen seien nicht möglich. Wie drücke man etwa "seelig" auf badisch aus? Oft müssten auch einzelne Wörter, die im Dialekt nicht vorkommen, erläutert werden. Aber es gibt auch immer wieder Kritik. Manch treuem Kirchenbesucher erscheinen seine Mundartgottesdienste als viel zu provinziell, zu derb oder gar als "Verhunzung der biblischen Sprache".
"Auch Skeptiker merken, welcher Wärmestrom bei solchen Gottesdiensten durch die Menschen fließt," hat dagegen der Sozialwissenschaftler, Kabarettist und Prediger Hans-Peter Schwöbel festgestellt. Mit seinen Predigten in breitem Mannheimerisch, das zum kurpfälzischen Dialekt zählt, will er "näher ans Herz zielen". Die Lutherbibel biete ein "Riesenuniversum" deren vergessene Seiten er so ans Licht holen will: "Ich möchte zum Vater auch mal wieder Babbe sagen, wie das im Kurpfälzischen üblich ist."
Biblische Worte sollen bildhaft und musikalisch sein
Bis heute habe er einen sehr intensiven Bezug zur Bibel, wenn auch nicht mehr streng pietistisch wie in seiner Jugend. Er will die Bildhaftigkeit und Musikalität der biblischen Worte umsetzen. So hat er etwa das Hohelied der Liebe in seinen Mannheimer Dialekt übertragen:
"Wonn isch mit Mensche- un Engelszunge redde kännt un gewaldisch, wie de Barack Obama odda de Jesus vun Nazareth, dasses de Mensche kalt un heeß iwwa de Buggl laaft, un hedd kä liebwarmes Herz, wär isch än dopsender Gligga un ä schebberndi Bix" (Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen so gewältig reden könnte wie Obama oder Jesus, dass es den Menschen kalt und heiß den Rücken hinunterläuft, und hätte keine liebendes Herz, wäre ich eine hüpfende Murmel oder eine scheppernde Dose).
Bei Martin Luther klingt das viel nüchterner: "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle."
Auch der frühere alt-katholische Bischof Joachim Vobbe predigt gerne in Mundart etwa über die zehn rheinischen Glaubensgrundsätze wie "Mer lohßen dr Herrjott ene johde Mann sin". (Wir lassen den Herrgott einen guten Mann sein). Denn das sei Gott sowieso, meint der evangelische Theologe mit Blick auf die Bibel: "Dat es dr Herrjott suwiesu, och ohne onse Zodunn (Psalm 25,8).


Kommentare
Beim Dialekt macht das
Beim Dialekt macht das vielleicht Sinn, beim plattdeutschen eher weniger. Jedes Dorf spricht ein anderes Platt. Zugereiste würden kein Wort verstehen. In meinem Heimatdorf sprechen in meinem Alter(51 Jahre) nur gaaaaaaaaaanz Wenige plattdeutsch. Es würde also bedeuten, dass man nur die alten Menschen anspricht.
Die im Ort oder Nachbarort geborenen Pfarrer sprechen in der Regel überhaupt kein Plattdeutsch. Man darf nicht vergessen, dass dies die Sprache des einfachen Volkes ist...man braucht den Mund nicht weit zu öffnen...weil fast alles nach vorn gesprochen wird. Von weit hinten im Kirchenraum ist es kaum zu verstehen. Als Prediger kommen also in der Regel nur Lektoren in Frage!
Und ob das jetzt so toll ist, wage ich zu bezweifeln! Man sollte doch eher die Jugend ansprechen, bevor sie der Kirche davonläuft oder ein Fall für den Therapeuten wird! Und die Jugend spricht nun mal eine ganz andere Sprache!
Hinzu kommt, dass außer Bülent Ceylan nur wenige Zugereiste Mundart sprechen.
Vielleicht erreicht man eines Tages auch diese....allerdings wohl weniger im Dialekt! Diese Zeiten sind vorbei und gehören wohl eher in die Heimat- oder Trachtenvereine! Und von da können sie ja auch in die "Offenen Kirchen" eingeladen werden, um dort mit ihren Volksgut eine echte Bereicherung darzustellen. In der Regel haben diese Vereine auch eigene Sprecher, die dann die Texte lesen könnten...und zwar original in ihrer seit Generationen weitergegebenen Sprache!
Ansonsten macht es heutzutage eher Sinn in Englisch zu predigen...oder in russisch!
Der Wortschatz im plattdeutschen ist absolut gering. Es gibt nur sehr wenige Verben...man müsste ständig zu Hilsverben greifen.
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