Ein Präsident spricht als Vater: Obama trauert mit Newtown
dpa/Peter Foley
Am Sonntagabend fand eine ökumenische Trauerfeier in einer High School in Newtown vor den trauernden Angehörigen und Gemeindemitgliedern statt.
Vor der Sandy-Hook-Grundschule in Newtown stehen 26 Weihnachtsbäume. Sie sind über und über mit Spielsachen beladen für Kinder, die nie damit spielen werden. "Ruht in Frieden, Ihr kleinen Engel", steht auf einem. Newtown trauert um die Opfer des Amoklaufs vom Freitag und der Präsident trauert mit. Am Sonntagabend (Ortszeit) war Barack Obama bei den Eltern der Opfer.
"Wir sind hier, um 20 wunderbare Kinder und sechs großartige Erwachsene zu betrauern, die in einer Schule starben, die jede Schule in Amerika hätte sein können", rief Obama den Trauernden zu. "Eure verletzten Herzen kann niemand heilen. Aber welche Hilfe wir auch immer geben können, um Euer Los zu lindern, werden wir geben! Newtown, Du bist nicht allein." Die Stadt habe sich vorbildlich verhalten. "Im Angesicht des unbeschreiblichen Bösen habt Ihr aufeinander acht gegeben." Als er die Namen der getöteten Kinder vorliest, geht bei jedem ein Schluchzen durch den Saal.
Trauerfeier für Opfer des Massakers
Obama sprach am Sonntagabend (Ortszeit) bei einer ökumenischen Trauerfeier im Auditorium einer High School in Newtown vor den trauernden Angehörigen und Gemeindemitgliedern. Selbst Vater von zwei Töchtern, sagte der Präsident, es sei die erste Pflicht der Gesellschaft, ihre Kinder zu schützen. Er stellte die Frage, ob die USA als Nation wirklich diese Pflicht erfüllten. "Die Antwort ist nein. Wir tun nicht genug."
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Obama räumte ein, dass "kein einziges Gesetz oder Bündel von Gesetzen Böses ausrotten kann". Aber das sei keine Entschuldigung für Untätigkeit. "Ganz sicher können wir es besser machen als bisher." Es gebe keine andere Wahl.
Die Polizei in Newton hatte am Sonntag zugeben müssen, dass das Motiv des Täters weiter im Dunkeln liegt. Wie Paul Vance von der Staatspolizei in Connecticut mitteilte, gab Lanza Hunderte von Schüssen ab - und hatte noch mehrere hundert Schuss Munition, als er sich selbst tötete. Bereits am Samstag hatte der zuständige Gerichtsmediziner mitgeteilt, dass die getöteten zwölf Mädchen und acht Jungen, fünf Lehrerinnen und eine Schulpsychologin, je bis zu elf Mal von Kugeln getroffen worden seien.
Viele Menschen aus der Umgebung kamen am Abend nach Newtown, um auf diese Weise Solidarität mit den Trauernden zu demonstrieren. An vielen Stellen der Kleinstadt nördlich von New York entzündeten Menschen Kerzen, legten Blumen und Spielzeug ab.
Obama will Schritte gegen Waffengewalt
Obama hat nach dem Schulmassaker von Connecticut entschlossenes Handeln gegen die Waffengewalt gefordert. In einer ebenso bewegenden wie kraftvollen Rede bei einer Trauerfeier in Newtown sagte Obama, es sei das vierte Mal in seiner Präsidentschaft, dass er nach einer Massenschießerei in eine trauernde Gemeinde komme, um Trost zu spenden. "Wir können das nicht mehr tolerieren. Diese Tragödien müssen enden", sagte Obama.
Der Präsident kündigte zwar nicht direkt Schritte zu einer Verschärfung von Waffengesetzen an. Aber er versprach: "In den kommenden Wochen werde ich meine Macht im Amt...zu Bemühungen nutzen, die darauf abzielen, weitere Tragödien wie diese zu verhindern."
"Es ist gut, dass der Präsident da war"
"Ich habe den Präsidenten noch nie gesehen", sagt Lauren. "Und ich habe ihn auch heute nicht gesehen." Die 17-Jährige wirkt nicht enttäuscht, diesmal nicht. "Normalerweise hätte ich es als Ehre empfunden, wenn der Präsident in eine so kleine Stadt wie unsere kommt. Aber doch nicht wegen..." Sie stockt. "Es ist alles so traurig."
Obama traf auf ein Städtchen, das trauert und diese Trauer auch zeigt. Überall hängen Plakate, auf den meisten steht "Betet für Newtown" oder auch "Betet für die Kinder". Im örtlichen Diner ist der Weihnachtsschmuck mit schwarzen Bändern überhängt, die Kellnerinnen tragen schwarze Schleifen an ihren Schürzen. Nicht weit davon stehen 20 gebastelte Engel auf einem Rasen, Blumensträuße, Kerzen und immer wieder Teddybären finden sich an fast jeder Ecke der kleinen Stadt.
"Es ist gut, dass der Präsident da war", sagt Nancy Elis. "Er ist ein Vater und er fühlt jetzt genau wie wir." Die 66-Jährige hat selbst drei Kinder in Newtown großgezogen - und auf die Grundschule geschickt. "Selbst in Deutschland trauern die Menschen mit uns", fragt sie ungläubig und kann vor Tränen kaum sprechen. "Es hilft ein bisschen und gibt Trost, dass so viele Menschen an uns denken. Zumindest uns hilft es. Die Familien, die ein kleines Kind verloren haben, können sicher durch nichts Trost finden."
Vermutlich auch durch Obama nicht. Was soll schon einen Vater trösten, der vielleicht am Morgen seine Tochter bei der Schule abgesetzt hat und nie wiedersah? Wie kann eine Mutter Erleichterung finden, die vielleicht noch für den kleinen Sohn Schulbrote gemacht hat, die nie gegessen wurden?
Esrte Beisetzungen am Montag
"Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich will es mir nicht vorstellen", sagt Bella Cristovao. Sie schiebt ihren Sohn Danny im Kinderwagen an den Blumen und Kerzen vorbei und der Eineinhalbjährige lächelt ein bisschen scheu. "Lasse uns gut auf ihn aufpassen", sagt sie leise zu ihrem Mann und geht langsam davon. Ein andere Mutter zeigt ihrem vielleicht dreijährigen Sohn die mit Spielsachen geschmückten Weihnachtsbäume. Als er fragt, ob die Kinder denn damit spielen kommen würden, bricht sie in Tränen aus und zieht das Kind fest an sich. Der Kleine lässt es etwas ratlos mit sich geschehen.
Am Montag sollten in Newtown die ersten Beisetzungen stattfinden, zuerst die von Noah Pozner. Seine Zwillingsschwester hat das Massaker überlebt. Er starb am siebten Tag von Chanukka, dem jüdischen Lichterfest. Noah war das jüngste der getöteten Kinder. Erst vor drei Wochen hatte er seinen sechsten Geburtstag gefeiert.


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