Pfarrerskinder: "Papa hat keinen Beruf wie jeder andere!"

Fünf Fragen an fünf Pfarrerskinder
Das Pfarrhaus ist immer noch ein besonderer Ort - vor allem für Pfarrerskinder.

Foto: plainpicture/Loic Trujillo/www.plainpicture.com

Was ist das Besondere an der Kindheit im Pfarrhaus im Rückblick?

In der Serie "Leben im Pfarrhaus" beschäftigen wir uns mit der Tatsache, dass das Leben im Pfarrhaus sich gewandelt hat, ganz besonders in den letzten Jahrzehnten. Und vor allem gibt es "DAS Pfarrhaus" so gar nicht mehr. Vielfältige Lebensentwürfe und unterschiedlichste Arten von Zusammenleben spiegeln sich auch im Alltag rund um den Dienstsitz von Pfarrer oder Pfarrerin wider. Und doch: Es ist immer noch etwas Besonderes, im Pfarrhaus aufzuwachsen.
25.09.2012 | von Claudius Grigat

Der Beruf des Vaters/der Mutter ist eben doch ein eher seltener und deren Position auch ziemlich exponiert. Außerdem ist dieser Beruf schon durch sein besonderes Amtsverständnis oft kein Job wie jeder andere. Und natürlich kommt auch noch die Tatsache zum Tragen, dass ein Großteil der Arbeitszeit in unmittelbarer Nähe des Familienlebens stattfindet.

Wie prägt eine Kindheit im Pfarrhaus das eigene Leben? Und wie wurde sie erlebt, diese Kindheit? Was war, in der Rückschau, tatsächlich das Besondere daran?
Das wollten wir von fünf Pfarrerskindern wissen, die allesamt inzwischen erwachsen sind, die alle mittlerweile eigene Haushalte und Familien gegründet haben und von denen jede/r auch selbst eine erfolgreiche Berufslaufbahn eingeschlagen hat, die sie allerdings nicht ins Pfarrhaus geführt hat…

 

Timm, 38 Jahre

Pfarrerskind Timm1. Hast du den Beruf deines Vaters als etwas Besonderes empfunden?

Timm: Für mich war der Beruf meines Vaters immer ein Beruf wie jeder andere. An den erstaunten Reaktionen von manchen Freunden und Bekannten konnte ich aber erkennen, dass nicht jeder so denkt: "Echt, dein Vater ist Pfarrer? Evangelisch oder katholisch?"

2. Was fandest du gut an der Tatsache, dass dein Vater Pfarrer war?

Timm: Wir waren immer ein Teil einer großen Gemeinde und das Pfarr- und Gemeindehaus war immer Treffpunkt für viele Menschen.

3. Was war das Negativste am Pfarrerskind-Dasein?

Timm: Samstags war lautes Spielen immer verboten. Da musste mein Vater sich auf die Predigt konzentrieren!

"Samstags war lautes Spielen immer verboten"

4. Inwiefern hat dich deine Kindheit im Pfarrhaus für später geprägt?

Timm: Ich glaube, im Pfarrhaus bekommt man ein besonderes Gespür für die Nöte, aber auch die Freude Anderer. Toleranz, Mitgefühl und gegenseitige Unterstützung waren wichtige - und auch selbstverständliche - Erfahrungen in meiner Kindheit.

5. Wie ist es deinen Geschwistern damit ergangen?

Timm: Vermutlich können das meine Schwester und mein Bruder besser beurteilen... Ich glaube, wir alle haben unsere vielfältigen Erfahrungen aus der Kindheit nutzen können, um unseren ganz persönlichen Weg im Leben zu gehen.

 

Mirjam, 32 Jahre

1. Hast du den Beruf deines Vaters als etwas Besonderes empfunden?

Mirjam: Natürlich habe ich den Beruf meines Vaters als etwas Besonderes wahrgenommen. Die Grenze zwischen Beruf und Familie existierte eigentlich gar nicht. Mein Vater war mein Vater und zugleich immer auch Pfarrer, für mich gab es da keinen klaren Schnitt. Das hängt mit den vielen Überschneidungen zwischen Beruf und „Zuhause“ zusammen (sehr viele Gäste aus der Gemeinde im Haus, ständiger 'Telefondienst', Mitarbeit in der Gemeinde beim Kindergottesdienst u.a., Taschengeld durch Kirchendiener-Dienste verdient, Obdachlose an der Tür betreut und und und) - aber auch mit der Tatsache, dass mein Vater in der Grundschule mein Religionslehrer war und ich auch in seiner Konfirmandengruppe. Zudem habe ich mich schon sehr früh und intensiv mit Kirche und Glaube beschäftigt und da war das Interesse am Beruf meines Vaters eben groß. Und sicher: mein Vater war eine ganz öffentliche Person! Ich habe ihn bei Veranstaltungen erlebt, ich habe ihn in der Kirche erlebt, ich habe erlebt, wie er in seiner Funktion wahrgenommen und angesprochen wurde, auch als Seelsorger.

2. Was fandest du gut an der Tatsache, dass dein Vater Pfarrer war?

Pfarrerskind MirjamMirjam: Ich habe sehr vieles daran geliebt, im Pfarrhaus aufzuwachsen. Es war ein intellektuelles Klima, es gab immer sehr viele interessante Gespräche, viele Bücher, Konzerte, bei denen wir waren, ...

3. Was war das Negativste am Pfarrerskind-Dasein?

Mirjam: Ich fand es manchmal sehr nervig, mit diesem unsichtbaren „Label“ herumzulaufen. Im Dorf haben einfach sehr viele Leute gewusst, wer man war - man wurde oft darauf angesprochen. In der Schule waren die Reaktionen nicht immer sehr nett, man galt schon per se als 'gläubig', musste sich oft etwas anhören wie "musst Du ständig beten?", etc. Auf dem Gymnasium war das dann leichter. Richtig belastend fand ich die hohen Erwartungen, die ich immer auf mir gespürt habe. Leistungen, die erwartet wurden, aber auch viele moralische Erwartungen. Das reichte vom Streichinstrument spielen bis zum sozialen Engagement. Darunter lag noch eine andere Dimension, die sicher auch einfach viel mit den 1980er Jahren zu tun hat: Ich bin mit einem riesigen Gefühl der sozialen und ökologischen Verantwortung aufgewachsen - und auch ein bisschen mit Schuldgefühlen. Wenn ich heute meine Jugendbücher betrachte, erschreckt mich das schon: Sehr viel Literatur zur Nazi-Zeit, zu Hexenverbrennungen, Atomkraft, Diktaturen in Südamerika… Das war in einer Weise präsent, dass ich mich einfach nie ganz frei fühlen konnte.

"Der Pfarrer war eben mein Papa, keine höhere Instanz"

4. Inwiefern hat dich deine Kindheit im Pfarrhaus für später geprägt?

Mirjam: Das eben beschriebene 'Verantwortungs-Gefühl' nehme ich bis heute mit. Aber auch die vielen guten Erfahrungen haben mich geprägt. Ich bin dankbar, dass ich schon früh gelernt habe, so offen und angstfrei auf ganz verschiedene Leute zuzugehen. Ich bin dankbar für den vermittelten Glauben, für die Liebe zur Musik, zur Literatur. Und ich glaube, dass die Erfahrung im Pfarrhaus mich in religiösen Dingen auch sehr frei gemacht hat. Ich habe dadurch einfach ein „religiöses Selbstbewusstsein“ gewonnen. Der Pfarrer war eben mein Papa, keine höhere Instanz. Und alle religiösen Themen habe ich von Anfang an als 'zu diskutierend' erlebt, als intellektuelles Problem - fast schon zu sehr...

5. Wie ist es deinen Geschwistern damit ergangen?

Mirjam: Das kann ich gar nicht so genau sagen. Wir sind alle vier sehr unterschiedlich und haben uns in ganz verschiedene Richtungen bewegt. Aber in unseren Entwicklungen haben wir schon alle Aspekte dieses Pfarrhauses aufgenommen (die kleine Schwester im sozialen Bereich, die große in der Musik, mein behinderter Bruder durch seine Vorlieben für Reden).

 

Lutz, 37 Jahre

Pfarrerskind Lutz1. Hast du den Beruf deines Vaters als etwas Besonderes empfunden?

Lutz: Den Beruf meines Vaters habe ich schon als etwas Besonderes wahrgenommen. Ich glaube, ich war auch etwas stolz darauf. Und als Pfarrerskind wurde man ja auch teilweise anders behandelt (Das habe ich spätestens an meiner
Konfirmation gemerkt, zu der ich viele Geldumschläge von Gemeindemitgliedern bekam, die ich nicht wirklich kannte.).

2. Was fandest du gut an der Tatsache, dass dein Vater Pfarrer war?

Lutz: Ich habe mich eigentlich im Pfarrhaus immer sehr wohl gefühlt. Gerade als Kind habe ich das kirchengemeindliche Leben mit Kindergottesdienst, Familiengottesdiensten, Gemeindefesten und Posaunenchor genossen. Das sind alles schöne Erinnerungen, die mich sicherlich auch geprägt haben.

"Die Zeit mit der Familie war schon begrenzt"

3. Was war das Negativste am Pfarrerskind-Dasein?

Lutz: Ich kann mich an keine unschönen Erlebnisse erinnern. Genervt hat höchstens die berufliche Eingespanntheit meines Vaters. Die Zeit mit der Familie war schon begrenzt. Gerade am Wochenende, wenn wir als Kinder frei hatten, saß mein Vater an den Vorbereitungen für die sonntäglichen Gottesdienste.

4. Inwiefern hat dich deine Kindheit im Pfarrhaus für später geprägt?

Lutz: Ich glaube, dass meine Entwicklung in verschiedenen Bereichen ihren Ursprung im Pfarrhaus - also in der Erziehung meiner Eltern - hatte. Das betrifft die emotionale und soziale Ebene (ich habe ja auch einen sozialen Beruf ergriffen), meinen musikalischen Werdegang, der seinen Ursprung ganz klar im Pfarrhaus hatte, aber auch meinen Glauben und meine Haltung zur Kirche, die ich heute als offen, jedoch auch kritisch bezeichnen würde.

5. Wie ist es deinen Geschwistern damit ergangen?

Lutz: Da kann ich tatsächlich wenig dazu sagen. Das sollten die besser selbst tun.

 

Daniela, 41 Jahre

1. Hast du den Beruf deines Vaters als etwas Besonderes empfunden?

Daniela: Die Besonderheit wird einem schon als Kind ganz schnell klar, wenn man immer irgendwie als Exot behandelt wird. Zudem kommen immer viele verschiedene Leute zu Hause vorbei – so regen Durchgangsverkehr hatte keiner von meinen Freunden. Und dann war da natürlich noch das extrem große und abgeschiedene Haus mit riesigem Garten, in dem man fast immer Krach machen konnte.

Pfarrerskind Daniela2. Was fandest du gut an der Tatsache, dass dein Vater Pfarrer war?

Daniela: Die allgemeine Stimmung zu Hause, die Toleranz und das menschlich liebevolle Miteinander. Außerdem die Tatsache, dass es nie langweilig war und dass mein Vater immer zu Hause war und sich Zeit für uns Kinder nehmen konnte. Dabei rechne ich meinem Vater hoch an, dass wir Kinder nie zu irgendwelchen kirchlichen Dingen gezwungen oder überredet wurden – jeder durfte immer frei entscheiden, ob und wo er sich einbringen und was er glauben wollte. Außerdem sind wir von frühester Kindheit an in jeden Ferien irgendwo in Europa unterwegs gewesen, weil 'richtig Urlaub machen' für meinen Vater zu Hause nie möglich war:

3. Was war das Negativste am Pfarrerskind-Dasein?

Daniela: Da gab es mehreres: Der Ausdruck "Parrers Kleenes" anstelle meines Rufnamens. Immer bekannt zu sein wie ein bunter Hund – das ist vor allem in ländlichen Gegenden sehr anstrengend. Außerdem: Bei Gleichaltrigen auf eine Art Ehrfucht bis hin zur plötzlichen Ablehnung zu stoßen, solange sie dich nicht näher kennen. Das konnte auch noch auf einer Party nachts um 2 beim gemeinsamen Spaghettikochen passieren. Da reichte der Spruch "Gell, man glaubt gar nicht, dass deren Vater Pfarrer ist!“, um solche Reaktionen hervor zu rufen. Und natürlich die vielen Kirchen, die ich mir im Laufe meiner Kindheit anschauen 'durfte'. In Venedig damals wollte ich viel lieber Gondel fahren - das hat meine Mutter dann als Belohnung für unsere Ausdauer auch durchgesetzt...

"Liebe, Hoffnung, Glaube sind mir bis heute wichtig"

4. Inwiefern hat dich deine Kindheit im Pfarrhaus für später geprägt?

Daniela: Die christlichen Grundwerte, mit denen ich aufgewachsen bin, nehmen nach wie vor einen hohen Stellenwert in meinem Leben ein. Liebe, Hoffnung, Glaube sind mir bis heute wichtig. Der stetige Kontakt zu so vielen Leuten hat mich, glaube ich, damit vertraut gemacht. Und ich finde es immer noch interessant, andere Menschen kennenzulernen bzw. mich mit ihnen auseinanderzusetzen. Das war auch ein wichtiges Kriterium bei meiner Berufsentscheidung.

5. Wie ist es deinen Geschwistern damit ergangen?

Daniela: Als Junge - und zudem mit vielen lustigen Ideen im Kopf - hat mein Bruder mehr unter seiner 'Bekanntheit' gelitten. Ansonsten aber leben wir beide heute ein Leben mit der Familie als Mittelpunkt, mit vielen wertvollen Freunden und mit sozialen und menschennahen Berufen. Und natürlich mit stetiger Vorfreude auf den nächsten Urlaub oder die nächste Reise...

 

Simon, 40 Jahre

Pfarrerskind Simon1. Hast du den Beruf deines Vaters als etwas Besonderes empfunden?

Simon: Auf jeden Fall! In einem recht kleinen Dorf (wie dem, in dem ich aufgewachsen bin) finden recht viele Veranstaltungen auf kirchengemeindlicher Ebene statt, so dass die 'Position' des Pfarrers doch eine besondere ist. Auch die Vielfältigkeit des Berufs, die ich erlebt habe - ob Trauung, Trauerfall, 'einfache' Seelsorge und Gespräche oder auch Gemeindefeste - machen ihn zu etwas Besonderem.

2. Was fandest du gut an der Tatsache, dass dein Vater Pfarrer war?

Simon: In erster Linie würde ich sagen, dass mein Vater sehr präsent war und immer wieder für uns Kinder auch Zeit hatte: Er konnte beispielsweise zumeist alle Mahlzeiten (Frühstück, Mittag- und Abendessen) mit uns zusammen einnehmen. Auch an anderen Terminen wie Geburtstagen, konnte er sich meist frei nehmen und war dabei. Und oft war es dann auch noch günstig, seine guten Verbindungen nutzen zu können: Mein Vater kennt da jemanden, der ...

"Das 'Schwänzen' von Gottesdienst oder Konfirmandenunterricht konnte man sich nur schlecht 'leisten'"

3. Was war das Negativste am Pfarrerskind-Dasein?

Simon: Erstens, immer wieder das Gefühl zu haben, (Vor-)Urteilen entgegentreten zu müssen, wenn Fragen zur Familie oder dem Alltag im Elternhaus gestellt wurden. Und zweitens war man natürlich als Pfarrerskind auch bekannt - und konnte sich manche Dinge nur schlecht 'leisten', wie etwa das 'Schwänzen' von Gottesdienst oder Konfirmandenunterricht. Auch wenn die Erwartungen nicht unbedingt ausgesprochen waren, so hatte man doch immer das Gefühl, unter einer besonderen Einschätzung oder Beobachtung zu stehen.

4. Inwiefern hat dich deine Kindheit im Pfarrhaus für später geprägt?

Simon: Ich denke, dass die Mitarbeit und das Miteinander in der Gemeinde durchaus prägend für mich waren - unter anderem für meine spätere Berufswahl (Lehramt).

5. Wie ist es deinen Geschwistern damit ergangen?

Simon: Mein ältester Bruder hat in der Gemeindearbeit kaum bis gar nicht mitgewirkt - und sich somit sehr bewusst aus der Kirchengemeinde herausgehalten. Der mittlere dagegen hat sich durchaus eingebracht und mitgearbeitet. Er hat dann sogar ein Theologiestudium begonnen, es später aber abgebrochen.

Kommentare

Fünf Pfarrerskinder - alle im selben Alter und alle aus der ehemaligen BRD. Ja, klar, im Osten hat es ja keine Pfarrerskinder gegeben, und die, die in den 50er, 60er und 70er Jahren Pfarrerskind waren, die zählen auch nicht.
Feiner Journalismus!

Ich habe beim Lesen gesucht, ob ich raus kriege, wo die Pfarrerskinder her sind, aber ich konnte eine DDR-Kindheit nicht entdecken. Das ist schade, denn hier gab es schon gewaltige Unterschiede. Ob ein Pfarrerskind (von den Eltern aus) bei den Pionieren sein durfte oder nicht, war eine entscheidende Frage oder ob es dann gar an der Jugendweihe teilnahm oder eben den Ausschluß von Beidem mitunter gar nicht so tapfer und gläubig und kaum verstehend durchgehalten hat, das wäre schon interessant zu hören.
Und andersherum könnte auch mal die Sicht der Eltern zur Sprache kommen (übers Leben im Pfarrhaus an sich wird ja genügend geredet), aber wie ging es mir als Pfarrer-Vater gegenüber meinen Kindern, wenn man etwa im Elternabend saß und das Schulsystem kritisierte und hinter und neben sich die schweigende Mehrheit der anderen Eltern sah, wenn man Angst hatte um seine Kinder, wenn der Physik-Lehrer wieder einmal an Hand des Weltalls nachgewiesen hatte, dass man doch nicht an einen Gott glauben könne (und der Vater war sozusagen der oberste Gläubige im Ort.....). Ich wünschte mir solch einen Artikel schon ein ganzes Stück tiefer gehend.

... beim Lesen, dass ich beim jeweils nächsten Abschnitt immer eine "andere" Geschichte und Perspektive erwartet habe. Pfarrfamilien in der DDR hatten da schon ein deutlich anderes Leben als der hier berichtete "Einheitsbrei". Bitte mehr Tiefgang!

Sicherlich werden diese Interviews in ihrem kleinen Ausschnitt der Realität nicht der Gesamtheit des Bildes vollkommen gerecht. Natürlich war die Kindheit im Pfarrhaus in der DDR eine ganz andere, hier standen oft persönliche Einschränkungen z. B. beim Bildungsweg und natürlich verschiedenste Repressionen und Benachteiligungen im Vordergrund. Allerdings war der Anspruch auch, möglichst authentisch das Erleben der privaten Beziehungen in Familie und Kerngemeinde abzubilden - und tatsächlich finden sich hier Übereinstimmungen in ganz vielen Pfarrhäusern, egal wo: Gerade das fanden wir interessant. Und auch die Unterschiede und Nuancen in diesen Bereichen fallen auf. Eine noch größere Bandbreite ergäbe sich natürlich, wenn man den Fokus noch mehr erweitert: Auslandspfarrstellen, Funktionspfarrstellen, Militäseelsorge, etc. ... Das wäre dann aber vielleicht etwas für eine Fortsetzung. Eine Erweiterung der Sicht ergibt sich aber auch in den Texten zu den Bildern der berühmten Pfarrerskinder (darunter vier aus der DDR) - Empfehlung: http://aktuell.evangelisch.de/galerien/21105/aufgewachsen-im-pfarrhaus

Hallo Claudius Grigat,
Sie wollen überhaupt nicht verstehen, was hier kommentiert wurde, nicht wahr? (Die Klischees zur "Kindheit im Pfarrhaus in der DDR" illustrieren die von mir kritisierte Einseitigkeit.)
Es geht auch darum, daß in deutscher Kirchengeschichtsschreibung der letzten 65 Jahre nur 2/3 des Landes beachtet werden. Das zum Einen. Zum Anderen ist der Blick in diesem Bericht zusätzlich sehr beschränkt auf die letzten 20 bis 30 Jahre.
Dem Verweis auf irgendwelche Texte zu berühmten Pfarrerskindern werde ich nicht folgen, warum auch? wird auch nicht anders sein als das, was hier zu lesen war.

Gruß

Hallo Tarantoga,

ich denke, dass die mir bekannten Betroffenen die Behauptung, das seien 'Klischees', nicht teilen werden (auch wenn es auch andere Erfahrungen gab). Die behauptete Einseitigkeit in der Kirchengeschichtsschreibung kann ich ebenfalls nicht nachvollziehen, zum Einstieg wäre vielleicht "Der Protestantismus im Osten Deutschlands (1945-1990)" von Rudolf Mau (Kirchengeschicte in Einzeldarstellungen Band IV/3, Evangelische Verlagsanstalt Leipzig) ganz passend. Und der Text war ja auch nicht überschrieben mit "Gesamtdarstellung der Situation der Pfarrhaushalte in Ost- und Westdeutschland im 20. Jahrhundert"...

Hallo Claudius Grigat,

doch, es sind Klischees, Ihre Bekannten kann ich ja leider nicht dazu fragen.
Es ist eine Beobachtung, die ich seit 22 Jahren immer wieder mache (anfangs glaubte ich allerdings, daß die Vertreter der alten Bundesländer erst noch umlernen müssen, diese sahen und sehen das offensichtlich anders.): die Vielfalt der Erfahrungen aus 40 Jahren DDR werden konsequent ausgeblendet, wenn es um aktuelle und praktische Fragen des Alltags geht.
In dem Artikel über das Leben in Pfarrhäusern ist es so augenscheinlich wie auch im Monatsthema (wo der Herr Brigadegeneral völlig ignoriert, daß ein gut Teil des Landes KEINE Bündnispflichten gegenüber den USA hat.), aber auch der Kirchentag (DEKT) sieht die Kirchentage der DDR als Kuriosum, nicht als eigene Tradition.
Und in der Redaktion von Ev.de gibt es maximal einen Quotenossi, der nichts zu sagen hat. Genaudasselbe ist bei Gemeindeaufbauprojekten und - Büchern zu sehen. Und überhaupt: Probleme werden erst wahrgenommen, wenn es Probleme in den westlichen Kirchen oder Ländern sind, solange das nur den Osten betrifft ...
Besonders prikelnd wird es, wenn diese Ignoranz auch (innerkirchliche) Gesetzgebung oder Empfehlungen bestimmt.
Ihre Buchempfehlung ist ja nett gemeint, aber mir ging es um spürbare und sichtbare Beachtung in Alltäglichkeiten.

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