Anders evangelisch - Methodistische Christen in Deutschland
Foto: akg-images/Jürgen Raible
Standbild von John Wesley, dem Begründer der Methoditischen Kirche, auf dem Friedhof der St. Paul's Cathedral in London.
Mit der Religionsfreiheit im Alltag ist das so eine Sache. Pastor Andreas Jahreiß seufzt. Der Prediger der evangelisch-methodistischen Kirche im Bezirk Würzburg-Schweinfurt kennt viele unglaubliche Geschichten. "Es gibt ein paar Leute, die kommen in unseren Gottesdienst, wollen Mitglied bei uns sein, können es aber nicht." Denn sich zu "den Methodisten" zu bekennen, heißt auch heute im Alltag oft noch: Ächtung - vor allem auf dem Land. "Für Selbstständige hätte das geschäftliche Konsequenzen", erklärt Jahreiß. Dabei sei man doch auch evangelisch, nur anders.
Am 30. September 2012 feiern die 20 Mitgliedskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Evangelisch-methodistische Kirche (EMK) 25 Jahre Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Der Festgottesdienst findet um 10 Uhr in der Nürnberger St. Lorenzkirche statt. Mit einem gemeinsamen Abendmahlsgottesdienst war vor 25 Jahren, am 29. September 1987, in Nürnberg eine Epoche der Kirchenspaltung zu Ende gegangen. Nach mehr als 250 Jahren, in denen Methodisten als "Bibelmotten" verschrien und wegen ihrer methodisch-strengen Lebensgestaltung in der Kritik standen, wurde die volle Kirchengemeinschaft zwischen EKD und EMK besiegelt. Das Dokument beinhaltet die Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen den Kirchen. Die methodistische Kirche war von dem anglikanischen Pfarrer John Wesley (1703-1791) gegründet worden. Die deutsche EMK hat rund 55.000 Mitglieder und wird von Bischöfin Rosemarie Wenner geleitet.
Doch Pastor Jahreiß will nicht jammern. "Das haben wir Methodisten uns zu einem gewissen Teil selbst zuzuschreiben", erläutert er. Geschichtlich kommen die Methodisten aus Großbritannien, ihre Entstehung geht auf den anglikanischen Geistlichen John Wesley zurück. Die von Wesley angestoßene Erweckungsbewegung breitete sich dann zunächst vor allem in den USA aus. Als die ersten Methodisten nach Deutschland kamen, sei deren Verhalten "aus heutiger Sicht schon ein bisschen arrogant gewesen", sagt Pastor Jahreiß. Viele Methodisten hätten in der Anfangszeit gedacht, sie seien die besseren Christen.
"Wir sind eine Freikirche ohne Sonderlehre"
Davon seien die Methodisten in Deutschland heute "weit entfernt", sagt der Pastor: "Wir haben in der Ökumene gegenseitig gelernt." Denn auch die evangelische Landeskirche in Bayern hat die Methodisten nicht immer wohlwollend betrachtet. Lange haftete der kleinen Kirche das Image der Sektierer, der Sonderlinge an. "Wir sind anders, wir sind eine Freikirche, aber eben eine ohne Sonderlehre", erläutert Jahreiß. Bei Methodisten gebe es - anders als bei den meisten Freikirchen - keine verpflichtende Erwachsenentaufe, Wiedertaufen getaufter Kinder lehnen sie ab.
"Es gibt sicher mehr, das uns mit den evangelischen Kirchen verbindet, als uns trennt", sagt Jahreiß. Wohl auch deshalb gibt es zwischen den Methodisten und den Gliedkirchen der EKD seit 25 Jahren eine Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft. Darüber hinaus gibt es rund um das Jubiläum landauf landab Gottesdienste und Feierlichkeiten in den Gemeinden.
"Uns verbindet jedenfalls viel mehr, als uns trennt", sagt die evangelisch-lutherische Würzburger Dekanin Edda Weise. Der Methodismus sei eine "Spielart" des Evangelischen. "Bei uns richtet sich alles danach, was die Menschen von uns brauchen", sagt Jahreiß. Bei der Feier des Gottesdienstes lassen sich dann doch einige Unterschiede feststellen. "Wir haben faktisch kaum Liturgie, es ist alles sehr frei", sagt der Methodist Jahreiß. So trägt ein methodistischer Pastor zum Beispiel keinen Talar, dafür gibt es viel modernes Liedgut, etliches davon auf Englisch.
Echte Mitglieder entscheiden sich bewusst
Am Sonntag mal kurz in den Gottesdienst gehen und anschließend viele Wochen nichts von sich hören oder sehen lassen - für viele lutherische oder reformierte Evangelische Alltag, bei Methodisten undenkbar. "Wir haben alle eine sehr enge Beziehung zueinander", sagt Jahreiß und fügt selbstkritisch hinzu: "Das hat Vor- und Nachteile." Hilfreich seien sie, falls jemand aus der Spur zu geraten drohe und man ihm rechtzeitig helfen könne. Andererseits könne auch soziale Kontrolle daraus werden.
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In seiner Doppelgemeinde Würzburg-Schweinfurt funktioniert das enge Gemeindeleben gut, negative Auswüchse gebe es keine. Derzeit hat die Gemeinde 94 Kirchenglieder, also getaufte Mitglieder, die sich öffentlich zur methodistischen Kirche bekannt haben, 48 Kirchenangehörige, also bislang nur getaufte Mitglieder, einige Kirchenzugehörige - bislang nicht getaufte - und mehr als 60 Freundeskreis-Mitglieder. Von den mehr als 90 Kirchengliedern kommen im Schnitt über 60 zu den Gottesdiensten. "In gewisser Weise erwarten wir das auch", erläutert Pastor Jahreiß.
Denn anders als bei der katholischen und evangelischen Kirche wird bei den Methodisten niemand automatisch mit der Kindstaufe in die Kirche aufgenommen. "Wir haben da ein anderes Verständnis", sagt Jahreiß, "bei uns gehören die als echte Kirchenglieder dazu, die sich bewusst für uns entscheiden und aufnehmen lassen". Normalerweise gehen junge Erwachsene diesen Schritt mit 18 bis 25 Jahren, getauft würden viele aber schon als Kinder, sagt der Pastor. Die Idee dahinter: "Die Taufe macht - für uns - weniger den Christen als der Glaube an sich."


Kommentare
Solus Christus
Generell suchen sich Methodisten nicht durch ihre Theologie von anderen Kirchen abzugrenzen.
Bei John Wesley liegt das Hauptgewicht seiner Theologie nicht auf Meinungen und Lehren, sondern auf Gesinnung und Lebensführung.
Also: Kein Alkohol, kein Tanz, kein Kino, kein Theater, kein Spiel, keine weltlichen Vergnügungen!
Das hat meiner Meinung nach absolut nichts mit "evangelisch sein" sein zu tun, denn "Evangelisch sein" bedeutet, dass eben keine "guten Taten" als Beweis erbracht werden müssen, viel spenden und dergleichen. Es genügt der Glaube an Jesus Christus.
"Evangelisch sein" hat mit sozialer Kontrolle nicht das Geringste zu tun.
kein Alkohol?
wie funktioniert dann die Abendmahlsgemeinschaft, wenn da kein Wein (Alkohol) gereicht werden darf? nur Saft?
Fast Alle sind herzlich eingeladen
Methodismus ist eine Abstinenzbewegung.
Deswegen gibt`s nur Traubensaft zum Abendmahl.
Alkoholiker sind zum Abendmahl willkommen.
Räusper - Natürlich nur "Trockene" Alkoholiker. (Nicht weitersagen!)
Aber ansonsten dürfen alle am Abendmahl teilnehmen, auch Ungetaufte und Ungläubige.
Wegen mangelndem Glaubens Verständnis darf niemand am Safttrinken gehindert werden.
"Dies tut zu meinem Gedächtnis" - gilt nicht beim Methodismus
ungläubig
Ungläubige sind eingeladen zum Abendmahl? Wenn Atheisten am Abendmahl teilnehmen dürfen, sind dann auch Buddhisten, Hinduisten, Islamisten, Giordano-Bruno-Anhänger etc. eingeladen? Wird das Abendmahl hier nicht herabgewürdigt? Was ist der theologische Hintergrund des methodistischen Abendmahls?
Anonymous wrote:Ungläubige
Ich denke, die von Ihnen hier aufgeführten Leute haben in der Regel kein großes Interesse, an solch einem Ritual teilzunehmen - Ihre Befürchtungen, es könne durch ihre Gegenwart herabgewürdigt werden, sind also unnötig.
andere Motivation
manche Leute haben ein anderes Interesse - die "Hostienschändung"
http://hpd.de/node/4978
ob man sie dazu explizit einladen soll?
Solus Christus
Entschuldigung! Die soziale Kontrolle gibt es fast in jeder größeren oder kleinen christlichen Gemeinschaft oder Kirche. Darum bin ich zu meiner Ursprungskirche - zur EKD - wieder zurückgekehrt und genieße es in den Gottesdienst nach Belieben zu gehen. (Bitte nicht weitersagen!) Aber eine feste Gemeinschaftsstruktur unter Glaübigen hat natürlich auch Vorteile.
Vertrauen ist gut
Kontrolle hat Vorteile?
Kein Wunder also, dass die EKD unter Kontrollverlust leidet!
Evangelischsein
John Wesley war abstinent, erwartete aber von den Anhängern seiner innerkirchlichen Gemeinschaft (Church of England) nicht unbedingt dasselbe. Einmal im Jahr trank er ein Glas Wein "gegen den geistlichen Hochmut".
Dass die Methodisten manche gesellschaftlichen Übungen (Tanz, Theater, ...) nicht empfohlen haben, kann man diesen Pionieren nicht als "Werkerei" (verlangte "gute Taten") anlasten. Diese Haltung war nämlich nicht die Voraussetzung für ein geistlich vernünftiges Leben sondern die Folge davon.
DonAlfredo wrote:John Wesley
Wieso hat ein "geistlich vernünftiges" Leben zur Folge, dass man nicht mehr ins Theater geht - und was ist daran gut?
Evang.-methodistisch
Also, Methodisten gehen ins Theater und Tanzen auch und trinken auch mal Alkohol. Das Abendmahl ist nur mit Traubensaft. J. Wesley ließ sich auch von Luthers Rechtfertigungslehre beeinflussen.
Ein Methodist ist nicht nur ein Sonntagschrist. Sonntagsschule, Hauskreise und Bibelarbeit sind wichtiger Bestandteil. Ich habe bei den Methodisten eine Spiritualität gefunden, die ich in der ev.-luth. Landeskirche vermisst habe. Die Gemeinden sind überschaubar, so dass ein Pfarrer wirklich mit den Menschen einen intensiven Glaubensweg gehen kann und Seelsorger sein kann. Eine urchristliche Atmosphäre.
Natürlich ist man sich nahe, denn man geht einen intensiven Weg miteinander. Das Abendmahlsverständnis ist eher reformiert.
Ich bin gerne Methodistin und dort auch Pfarrerin und genieße auch das Leben mit Gott an meiner Seite.
Der Methodismus war streng gegen Alkohol, was sich aber gelockert hat. Trotzdem steht er immer noch kritisch gegen Alkohol, da es viel zu viele negative Beispiele gibt.
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