Proteste nach dem Freitagsgebet
dpa/W. Khan
Bei den Demonstrationen in Pakistan gegen Anti-Islam-Video und Mohammed-Karikaturen kam es zu Ausschreitungen.
In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad durchbrachen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime mehrere Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften. Im ostpakistanischen Lahore lieferten sich Demonstranten in der Nähe des US-Konsulats ebenfalls Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Innenminister Rehman Malik erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.
USA distanzieren sich von Schmähvideo
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Die USA bemühten sich unterdessen um Deeskalation. Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton distanzierten sich im pakistanischen Fernsehen von dem Schmähvideo. In dem von sieben Sendern ausgestrahlten Beitrag sagte Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betonte, die USA hätten mit dem Video nichts zu tun. In Islamabad erklärte der amtierende US-Botschafter, die Produktion des Schmähvideos beruhe auf der „zutiefst taktlosen Entscheidung eines Einzelnen, um Hass zu schüren“.
Zu Protesten kam es auch in vielen anderen Ländern. Im indischen Teil Kaschmirs gingen zahlreiche Menschen auf die Straße, in der Regionalhauptstadt Srinagar kam es laut Medienberichten zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei. In Malaysia zogen nach Polizeischätzungen etwa 5000 Menschen vor der US-Botschaft und einer nahe gelegenen Moschee auf. In Indonesien waren gepanzerte Polizeifahrzeuge vor der US-Botschaft aufgefahren. In Kabul protestierten Hunderte Afghanen friedlich. In Ägypten konnte die radikale Salafisten-Bewegung die Massen nicht für ihre Proteste gegen die französischen Mohammed-Karikaturen mobilisieren.
Deutschlands Muslime demonstrieren friedlich
In Deutschland sind unterdessen die Proteste gegen das umstrittene Mohammed-Video friedlich angelaufen. In Freiburg in Baden-Württemberg demonstrierten am Freitag nach Angaben der Veranstalter mehr als 1000 Menschen gegen das in den USA entstandene Schmähvideo, die Polizei sprach von rund 900 Teilnehmern. Der Demonstrationszug, an dem viele Frauen und Kinder teilnahmen, wurde von einem starken Polizeiaufgebot begleitet. Auf Transparenten stand „Nein zur Beleidigungsfreiheit“ und „Unser Prophet Mohammed ist tabu“. Das Video hatte zuletzt zu blutigen Unruhen in der arabischen Welt geführt.
Teilnehmerinnen der Proteste in Freiburg. Foto: dpa/Patrick Seeger
Auch in der Innenstadt von Münster in Nordrhein-Westfalen erwarteten die Beamten keine Zwischenfälle. Der Protestzug unter dem Motto „Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet“ begann nach Polizeiangaben mit 80 bis 100 Teilnehmern.
Kleinere Aktionen gab es auch in Cuxhaven mit knapp 100 Menschen und in Hannover, wo drei Einsatzfahrzeuge der Polizei, 14 Journalisten und ein Demonstrant gezählt wurden. Für Samstag sind Proteste in Karlsruhe und Dortmund angemeldet. Für den 6. Oktober wurde auch für Berlin eine Demonstration angekündigt.
Vertreter aus Religion und Politik bemühten sich unterdessen, die Wogen zu glätten: Regierungssprecher Steffen Seibert sagte: „Es ist ihr Recht zu protestieren.“ Er betonte aber: „Gewalt darf es nicht geben.“ Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) appellierte „an alle Seiten, mäßigend einzuwirken“. Weiter hieß es aus der Mainzer Staatskanzlei: „Wir sind alle gefordert, unsere rechtsstaatlichen Mittel zu nutzen, um deeskalierend zu wirken.“


Kommentare
Talar ?
An der Freiburger Demonstration hat auch ein Prädikant im Talar teilgenommen.
Ich kenne die badische Prädikantenordnung nicht (wenn es sie überhaupt gibt) aber m.E. ist das Tragen des Talars bei einer politischen Kundgebung ein Verstoß gegen die Amtspflichten eines Prädikanten (wenn es sie überhaupt gibt)
Leider wird es in diesem Fall zu keinen Sanktionen gegen diesen mediensüchtigen Laienprediger kommen.
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