TV-Tipp des Tages: "Der Knastarzt" (RTL)

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TV-Tipp des Tages: "Der Knastarzt" (RTL)
TV-Tipp des Tages: "Der Knastarzt", 3. April, 21.15 Uhr auf RTL
Tobias Falk, ein junger, gutaussehender Internist, leistet einer todkranken Frau Sterbehilfe. Die alte Dame hat ihn ohne sein Wissen als Alleinerben eingesetzt, weshalb er des Mordes aus niederen Beweggründen angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt wird.

Schon seit Jahren haben die Privatsender ein Problem mit deutschen Serien: Sieht man von "Der letzte Bulle" und "Danni Lowinski" (beide Sat.1) ab, war das Publikum im Grunde von keiner Produktion restlos überzeugt. Davon war zuletzt vor allem RTL betroffen. "Doc Meets Dorf" und "Der Lehrer" wurden immerhin komplett ausgestrahlt, die kunterbunte und einfallsreiche Arztserie "Schmidt – Chaos auf Rezept" kam dagegen nur bis Folge zwei. Gemessen an Tempo und Originalität dieser drei Serien wirkt "Der Knastarzt" ausgesprochen durchschnittlich, aber vielleicht ist gerade dies der Schlüssel zum Erfolg.

Rätselhafte Phänomene

Immerhin ist die Grundidee ungewöhnlich: Tobias Falk (Bernhard Piesk), ein junger, gutaussehender Internist, leistet einer todkranken Frau Sterbehilfe. Die alte Dame hat ihn ohne sein Wissen als Alleinerben eingesetzt, weshalb er des Mordes aus niederen Beweggründen angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt wird. Im Gefängnis gerät der Yuppie in eine zutiefst feindselige Welt; nicht nur die Häftlinge, auch der Chefschließer (Michael Starkl) wollen dem braven Bildungsbürger das Leben im Knast mit Wonne zur Hölle machen. Die Rettung naht in Gestalt der attraktiven Direktorin (Clelia Sarto): Das Gefängnis kann sich keinen eigenen Arzt leisten, also soll Falk die Stelle übernehmen. Das beschert ihm neben einigen Privilegien nicht nur Ärger mit Schwester Anke (Laura Osswald), die sich schon mit der Rolle als Arztersatz angefreundet hatte, sondern auch regelmäßig unschöne Begegnungen mit Patienten, deren Besuche nicht immer nur der reinen Gesundung dienen.

Was zunächst so klingt, als wolle RTL seinen einstigen Quotengarant "Hinter Gittern" (1997-2007) mit verändertem Vorzeichen neu auflegen, entpuppt sich als clevere Mischung aus Knast- und Arztgeschichten mit kriminalistischem Einschlag. Ähnlich wie sein Kollege Dr. House muss Tobias Falk nicht einfach nur Tabletten verteilen, sondern immer wieder nach Ursachen für rätselhafte Phänomene suchen: Im Pilotfilm zeigt eine Patientin alle Symptome einer LSD-Vergiftung, schwört aber Stein und Bein, sie habe keine Drogen genommen; und in Folge zwei erkrankt ein Mann an einem tückischen Tropenfieber, obwohl er die letzten fünf Jahre im Gefängnis verbracht hat. Über die Anamnese hinaus gibt es jeweils Hintergrundgeschichten, die für Handlung und Behandlung von entscheidender Bedeutung sind; der Tropenkranke zum Beispiel entpuppt sich als verdeckter Ermittler, der rausfinden soll, wie Knasthändler Rodenko seine Drogen ins Gefängnis schmuggeln lässt.

Die Besetzung dieses Gangsters mit Aleksandar Jovanovic ist zwar höchst einfallslos, weil der einst durch "Kurz und schmerzlos" bekannt gewordene Schauspieler solche Figuren schon zur Genüge verkörpert hat, aber er macht das auch beängstigend glaubwürdig. Gemäß der üblichen Knastfilmdramaturgie gewinnt Falk zunächst das Vertrauen des Ganoven, erkennt dann aber, dass er sich auf Spiel mit dem Teufel eingelassen hat. Als Typ ist Jovanovic ungleich prägnanter und präsenter als der etwas kantenlose Hauptdarsteller Piesk, aber andererseits betonen die Besetzungen natürlich den Kontrast zwischen den beiden Gegenspielern.

Inszenierung (Andreas Menck, Sascha Thiel) und Bildgestaltung (Marcus Hausen) sind zwar erstaunlich konventionell, aber dafür ist der Schauplatz umso authentischer: Gedreht wurde im stillgelegten Düsseldorfer Gefängnis Ulmer Höh’. Auch die Komparsen wirken sehr überzeugend. Produzent der Serie ist Philipp Steffens, der für Sat.1 "Der letzte Bulle" hergestellt hat. Er ist seit kurzem neuer Fictionchef von RTL. Eine der ersten Amtshandlungen wird die Bewertung seiner eigenen Serie sein.