Greift Gott ein?

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Spielt Gott eine Rolle auf dem Fußballplatz?

05.06.2012 | von Hans-Martin Gutmann

Gebete für den Sieg der deutschen Mannschaft in der Europameisterschaft werden keinen sicheren Erfolg haben. Genauso wenig wie Gebete um bessere Börsenkurse für Facebook-Aktien, auch wenn man sich welche zum Phantasiepreis von 38 Euro geleistet hat. Gottlob.

Autor

Hans-Martin Gutmann

Hans-Martin Gutmann

ist Professor für Praktische Theologie mit dem Schwerpunkt Homiletik an der Universität Hamburg und forscht unter anderem über die Beziehung zwischen populärer Kultur und Religion.

Auch die in Gürtelschnallen deutscher Landser in den beiden Angriffskriegen des 20sten Jahrhunderts eingestanzte Parole "Gott mit uns" blieb im Gesamtergebnis erfolglos. Gott sei Dank.

Ist der Gott der Bibel, ist der Gott Abrahams und Sarahs, der Gott Isaaks, Hagars und Ismaels, der Gott des Jesus aus Nazareth und des Paulus aus Tarsus, ist der Gott Israels und der christlichen Kirchen ein Gott, der eingreift?

Ja. Nach allen biblischen Erzählungen: ja.

Es gibt keine Automatik

Gott hat seinem Volk seine Verheißungen gegeben und diese Verheißungen erfüllt. Darauf kann er behaftet werden. Gott hat sein Volk aus Fronarbeit und Unterdrückung befreit. Er lässt seine Propheten dagegen anschreien, dass die Lebensrechte der Armen mit Füßen getreten werden. Gegen allen Augenschein hat er Jesus nicht allein gelassen, als der auf dem Höhepunkt eines Pogroms und eines gefälschten Gerichtsverfahrens am Kreuz hingerichtet wurde. Die Freunde und Freundinnen Jesu haben bald erfahren, dass dies nicht das elende und schmachvolle Ende einer großen Liebesgeschichte war, sie haben diesen Tod so wahrnehmen können, dass Jesus sein Leben für seine Menschen hingegeben hat, dass Gott im tiefsten Elend da ist und bleibt, und dass Gott Jesus neues Leben schenkt. Die große Hoffnung, dass der Tod seine Macht verliert.

Es gibt keine Automatik. Das funktioniert schon nicht zwischen Geliebten, Freunden, Eltern und Kindern. Bitten funktionieren nicht wie performative Sprechakte. Sie stellen nicht die Wirklichkeit her, die sie aussagen, im selben Moment, in dem sie ausgesprochen werden. Sonst wäre das Leben auf elend langweilige Weise aufregungs-, konflikt- und problemlos. Kauf mir das Smartphone, liebe mich, bleib bei mir, was immer auch geschieht. Das wird schon nix zwischen Menschen, und gegenüber Gott funktioniert es genauso wenig.

Fingerzeige, dass Gott eingreift

Bitten funktionieren nicht wie performative Sprechakte, Gebete auch nicht, aber Verheißungen schon. Gott will sich auf seine Verheißungen behaften und darauf be- und anklagen lassen (Matthäus 7, 7-11). Wir können ihn bedrängen, ihm auf den Wecker gehen wie eine nervige alte Frau einem ungerechten Richter in einem Gleichnis Jesu (Lukas 18,1-8). Gott, Du hast zugesagt, dass das Leben gut ist, lass es nicht in Gewalt und Zerstörung versinken! Gott, du  hast dem Isaak und Jakob, Du hast deinem Volk Israel genauso deinen Segen gegeben und ihm zugesagt zu einem großen Volk zu werden wie dem Ismael, den die Muslime als ihren Stammvater ansehen: Gott, lass dich durch unsere Gebe bedrängen und aus dem Takt bringen, hilf, dass dein Volk Israel und Palästinenser und Libanesen und Iraner nicht in immer neuen Gewaltorgien in gemeinsamer Barbarei versinken.

Vielleicht lassen sich ja immer wieder einzelne Aufbrüche als Fingerzeige deuten, dass Gott sich hat bitten lassen. Fingerzeige, dass Gott eingreift, auch angesichts des Elends heute: Wenn im West Eastern Divan Orchestra junge Israelis und Palästinenser/innen, Ägypter/innen und junge Leute aus anderen arabischen muslimischen Ländern unter der Leitung des weltberühmten jüdischen Dirigenten Daniel Barenboim in Ramallah, der Hauptstadt des palästinensischen Westjordanlandes ein begeistert gefeiertes Konzert geben. Wenn die Facebook-Aktion eines jungen israelischen Vaters, dieses wunderbare Foto mit Tochter auf dem Arm, innerhalb weniger Tage hunderttausendfach angeklickt wird: Iranians we love you, we will never bomb you.

Wir können, wir dürfen, wir sollen ihn bedrängen

Es gibt keine Automatik. Oft bleibt mir, oft bleibt von Gewalt und Elend zerstörten Menschen dunkel, warum Gott nicht eingreift. Die Gebete der Kinder von Auschwitz wurden nicht erhört, nicht die Klagen von jungen Frauen, die während des Krieges im ehemaligen Jugoslawien in den 90er Jahren massenhaft vergewaltigt wurden, um sie aus ihrem Land zu vertreiben, nicht die Gebete der zahllosen Kinder, Frauen und Männer, die in den Massakern in Ruanda und im Kongo und in anderen Weltgegenden um ihr Leben und ihre Lebensperspektiven gebracht wurden, nicht die Gebete der Bootsflüchtlinge, die den zerstörerischen Lebensbedingungen ihrer Heimat durch eine Flucht nach Europa entgehen wollen und in ihren seeuntüchtigen Booten zu tausenden umkommen. So viele unaustauschbare Gesichter, so viele durch zerstörerische Bedingungen oder brutalste Gewalt vernichtete Lebensgeschichten.

Warum greift Gott nicht immer ein, wenn er in der Not angerufen wird? Kein Mensch kann diese Frage beantworten. Gott bleibt in all diesen Fällen das Gegenüber von Klage und Anklage. Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen. Wir können, wir dürfen, wir sollen ihn bedrängen, auf seine Versprechen behaften, ihn an das erinnern, was er seinen Menschen zugesagt hat, immer wieder neu. Mehr ist nicht zu sagen.

Die deutsche Mannschaft wird in der EM aus eigener Kraft siegen oder aus eigener Schwäche untergehen. Na klar, trotzdem, genauso wie wir darum zittern und jubeln und feiern können, ohne Erfüllungsgarantie, schlicht als Ausdruck unserer Wünsche und Begeisterungsfähigkeit: Wir können um den Sieg der deutschen Mannschaft beten.


Hat Gott in Ihrem Leben schon einmal eingegriffen? Diskutieren Sie mit! Nutzen Sie die Kommentarfunktion unter diesem Artikel, erzählen Sie von Ihren Erlebnissen, von Zweifeln ebenso wie von der Präsenz Gottes.

Kommentare

Ich wundere mich über die enorme Dummheit der Gläubigen zu "Ihrem Gott" . Sobald irgendwo eine Katastrophe oder ein schweres Verbrechen bekannt geworden ist, rennen alle in die Kirche und machen einen "Gottesdienst" Hat ein "Gott" das nötig, die Hallen nur noch voll zubekommen, wenn er mal wieder nicht "aufgepasst" hat? Ein Gott in einem Fußballspiel mit einzubeziehen, ist obszön.

Tausende von Menschen retten Leben, gestalten unser Leben. Und es sind nicht nur Gläubige am Werke, sondern auch Tausende von "Ungläubigen" die dazu beitragen, das dieses einmalige Leben für alle einigermaßen erträglich ist. Oder gibt es z.B. eine evangelische oder katholische Wurst? Wenn darauf stehen würde, hergestellt in einer atheistischen Metzgerei, würde die keiner mehr Essen??
Wurst bleibt Wurst, beten zwecklos. Sie wird dadurch nicht evangelisch oder katholisch.
Also Guten Appetit!

Bei uns im Landkreis stehen doch tatsächlich vermehrt muslimische Mädchen und Jungs hinter der Fleischertheke beim heimischen Metzger und machen dort eine Ausbildung als Metzger oder Metzgereifachverkäuferin. Ein sehr seltsamer Anblick, vor allem wenn man bedenkt, was Allah so alles angeordnet hat. Hat Allah nicht richtig aufgepasst oder ist ein Wunder geschehn?

Die muslimischen Azubi`s schneiden ganz selbstverständlich die geräucherte Schweinsleberwurst im Naturdarm und die Blutwurst auf. Es wird Leberkäsaufschnitt geschnitten, Schweineschnitzel geklopft und paniert, Bauchlappen ins Kraut gelegt und Schweinsfuß gepökelt und es werden frische Schweinsbäckchen angeboten. Der Metzgermeister ist katholisch und seine Frau ist evangelisch. Das Personal muslimisch. Auch die Putzfrau, die die Wurstküche schrubbt.

Im Judentum, im Islam und bei einigen christlichen Konfessionen wie den Siebenten-Tags-Adventisten ist der Verzehr von Schweinefleisch streng verboten, sogar das Berühren von Schweinefleisch ist Sünde:

„Alle Tiere, die gespaltene Klauen haben, Paarzeher sind und wiederkäuen, dürft ihr essen. […] Ihr sollt für unrein halten das Wildschwein, weil es zwar gespaltene Klauen hat und Paarzeher ist, aber nicht wiederkäut. Ihr dürft von ihrem Fleisch nicht essen und ihr Aas nicht berühren; ihr sollt sie für unrein halten.“

– 3. Buch Mose 11

„Verboten hat Er euch nur (den Genuss von) natürlich Verendetem, Blut, Schweinefleisch und dem, worüber etwas anderes als Allah angerufen worden ist.

Na dann! Allah - sei ihnen gnädig und barmherzig.

Gott arbeitet nicht mit Methoden.
Gott arbeitet nicht mit "gelber" und "roter Karte".

Für die "Arschkarte" können wir Gott nicht verantwortlich machen. Wenn wir die A-Karte ziehen oder uns jemand die A-Karte zeigt, dann wird ausgedrückt, dass eine Situation für eine Person besonders ungünstig verläuft oder unangenehme Folgen hat. Daran sind wird doch meistens selber dran schuld.

Um es nur auf das simple Beispiel Fußball zu beschränken:

Höchstwahrscheinlich greift Gott nicht in konkrete Ergebnisse ein. Was sollte er auch tun bei widersprüchlichen Gebeten aus verschiedenen Lagern.

Aber er greift ein, indem er z. B. Christen dazu bringen kann, dem Gegner nicht rücksichtslos in die Knochen zu treten, durch Schwalben und Schauspielerei Vorteile herauszuholen oder sie auch davor bewahrt, sich von Statistiken, Auswärtskulissen oder scheinbar übermächtigen Gegnern einschüchtern zu lassen. Ich finde, das ist schon eine ganze Menge.

Gott braucht unser Gebet nicht, weil er sowieso alles von uns weiß. Aber WIR brauchen das Gebet. Es erleichtert unser Herz und Gewissen, wenn wir alles zu Gott tragen können!

Wie schon einige geschrieben haben, ist Gott kein Erfüllungsautomat - also ich bitte um etwas und schon geschieht es --> Das ist eine sehr egoistische Einstellung, denn mit meinen Wünschen kann ich mich über die der anderen Menschen stellen. Die eigentliche Frage ist, was das Ziel eines Gebetes ist? Was hat es für einen Zweck? Da kommt man schnell zum Schluss, dass es keinen weltlichen Zweck hat, denn der Erfolg / der Ertrag ist nicht zu bemessen. Wenn ich jeden Tag Gott eine bestimmte Zeit im Gebet schenke, dann tue ich das um die Beziehung aufrecht zu halten, lasse mich auf ihn ein, dass ist das Ziel und auch der Weg.

Das Eingreifen Gottes habe ich selbst erlebt, ist eine subjektive Erfahrung, die mit Worten kaum zu beschreiben ist. Bei diesem Erlebnis ging es allein um die Beziehung zu Gott.
Ich habe große Schwierigkeiten mit der Aussage, dass man nur genug Glauben muss, dann geht schon alles gewünschte in Erfüllung --> schon wieder der Erfüllungsautomat. Denn dieser Satz erhebt sich über alle die eine Schicksalschlag erlebt haben müssen.

Es gibt bei Gott, sehr viel Wichtigeres als eine Fussball-EM. Für einen Sieg bei diesen modernen "Brot und Spiele"-Veranstaltungen zu BETEN ist wahrlich schon sehr verwunderlich.

Gott zeigt dir den Weg, wo`s langgeht! Klar kannst du auch in die entgegen gesetzte Richtung gehen - Richtung Sackgasse.
Gott ermahnt Dich auch manchmal! (Dudu Finger)
Gott gibt dir Empfehlungen und Hinweise, die du natürlich nicht einhalten musst. Du kannst selbstverständlich mit deinem Zeigefinger dir an die Stirn tippen (---hast wohl n`en Vogel!). Gott gibt dir irgendwann einen Verweis, wenn du foulst!

Klar kannst du auch mit deinem eigenen Zeigefinger auf deine Brust zeigen: ICH bin der Boss!

Kannst aber auch alternativ mit deinem Zeigefinger an die Schläfe tippen und mal in aller Ruhe nachdenken!

Gott greift in unser Leben ein, durch den Heiligen Geist, denn der Heilige Geist ist Gott.

Als Geist der Wahrheit arbeitet er daran, den Ungläubigen davon zu überzeugen, dass er falsch liegt. Das geschieht nicht mit menschlichen Mitteln - es geschieht nur, wenn der Heilige Geist die Botschaft der Bibel im Gewissen und im Herzen eines Menschen zu einer lebendigen Kraft macht. So öffnet der Heilige Geist Menschen die Augen für ihre eigentliche geistliche Verfassung.

Der Heilige Geist zeigt auch den atheistischen Diskutanten hier im Forum ihre eigentliche geistliche Verfassung.

Der Heilige Geist zeigt uns auch, was die Bibel bedeutet. Er macht uns die Worte der Bibel verständlich und gibt ihnen Sinn für unser Leben. Auf diese Weise greift Gott in unser Leben ein.

Ohne das Licht, das der Heilige Geist auf die Bibel wirft, bleibt die Wahrheit der Botschaft Gottes unklar oder erscheint gar unsinnig und befremdlich oder unlogisch.

Seiner Zeit wurden die Apostel gelehrt, der Geist hätte, wenn er in ihnen mächtig würde, NICHT die Aufgabe, SICH SELBST ins Licht zu setzen, sondern Christus.

Im Alten Testament wirkt der Geist auf eingeschränkte Weise.
Er begrenzt sein Wirken auf bestimmte Menschen und Aufgaben. Doch schon die Propheten sagten eine Zeit voraus, in der Gott seinen Geist auf Dauer und in das Leben seines ganzen Volkes ausgießen würde. Diese Prophezeiung erfüllte sich an Pfingsten.

Keiner, der zu Christus gehört, ist ohne den Geist.

Jesus hat öfters mal ein Machtwort gesprochen und er hat auch öfters mal ordentlich aufgeräumt. Er hat sich eingemischt, er hat vermittelt und er hat andere Seiten aufgezogen. Er hat sich dazwischengeschaltet und er hat hineingeredet und durchgegriffen.
Er hat all das getan, was Menschen heutzutage sich nicht mehr trauen. Wir Menschen greifen eher nicht ein, wir wollen unsere Ruhe haben, bremsen lieber ab oder bringen Diskussionen zum Stillstand. Wir verhüten lieber, vereiteln lieber, blockieren und verwehren lieber. Wir Menschen sind sehr bequem. Dazwischenfahren??? Um Gottes Willen, NEIN!

Mal ein anderes Beispiel.
Auf dem OP-Tisch bin ich vor einigen Jahren verstorben. Herz-Kreislaufstillstand. Nach Reanimation wurde ich wiederbelebt.
Ich kann bestätigen, dass ich meinen Körper verlassen habe und in einem Affenzahn durch einen Tunnel nach unten gerast bin. Ich hatte keine Angst obwohl ich mich gefragt habe, warum ich keine Angst habe, obwohl ich mich zu Beginn regelrecht mit Purzelbäumen überschlagen habe. Ganz im Gegenteil, diese Geschwindigkeit hat richtigen Spaß gemacht und ich habe gelacht und mich gefreut. Am Ende des Tunnels bin ich über eine Wiese geflogen und habe einen flatternden Schmetterling gesehen, der mich begleitet hat. Die Wiese war ungewöhnlich saftig grün. Ich konnte also auch Farben sehen. Die Geschwindigkeit hat sich dann verlangsamt. Auf der Wiese stand eine weiße Himmelstreppe. Bevor ich hochfliegen konnte, wurde der Flug abrupt abgebremst und es ging zurück ins Leben. Dieses Zurückkommen habe ich als schmerzhaft unangenehm empfunden und das aufwachen war schwierig.

Ich persönlich habe nicht diese Entscheidung getroffen, dass ich in den Körper zurückkehre.

Offensichtlich war meine Zeit noch nicht gekommen. Ich glaube, da hat Gott eingegriffen, mit Hilfe der Ärzte.

Dass sich ein Atheist derart vehement, für Gott einsetzt ist sehr beachtlich!

Es geht entschieden zu weit, Fußball und Gott in einen Topf zu werfen. Damit kann man keine Gläubigen zugewinnen. Hier herrscht Aberglaube gegenüber Religion. Einen Gott für jeglichen Mist "heranzubeten" entwürdigt Religion. Mit diesem erfundenen Gott und dem "fußballspielenden Jesus" entweiht sich das Christentum, das nie das Wort Religion verdient hat. Was für eine Verzweiflung bei den Kirchen, wenn sie glauben, sie müssten plötzlich weltlichen Fußball für ihre Zwecke missbrauchen. Es gibt wichtigere Dinge auf der Erde!!
Ein Atheist hat kommentiert und ein Gott hat nichts dagegen.

Eberhard wrote:
Es geht entschieden zu weit, Fußball und Gott in einen Topf zu werfen.

...worin die evangelische Kirche mit Ihnen durchaus einig ist, siehe hier die Zitate zum "Fußballgott" auf Sat.1.

Dein Zitat:....mit den Widersprüchlichkeiten im Verhalten Ihres Gottes zurecht zu kommen"

Du meinst also, Gott ist ein jämmerlicher kleiner Lügner?
Du bist, was ER gerne wäre, oder meinst du, dass sein Wesenszug so langsam aber sicher ausgedient hat?
Du glaubst, auch ein Gott hat seine Ängste und Probleme?

Sag mal, hattest du schon mal einen date mit ihm, und er hat dich versetzt, womöglich im Regen stehen lassen? Es muss ja trifftige Gründe geben, warum Du ihn so herabwürdigst. Du erwartest von ihm klare Aussagen aber bist selber nicht bereit deine Erfahrungen (ohne ihn) offen zu legen.

Ich habe so eine leise Ahnung, wie deine bewährten Denkmuster ablaufen. Meiner Ansicht nach, kannst Du Wahrnehmungen nicht sinnstiftend verarbeiten, deshalb kannst Du auch zu keinen wahren Überzeugungen gelangen und du kannst deshalb Probleme nicht korrekt lösen und du kannst auch keine Schlüsse ziehen. Würdest du vernünftig Schlussfolgern, dann könnte ich bestätigen, dass dein Denken eine gewisse Logik aufweist. Tut es aber nicht, weil deine Rückschlüsse frei erfunden sind ganz ohne fundierte Grundlage. Du hast nicht mal auf eine Textstelle aus deiner eigenen Bibel verwiesen. Das Endprodukt Deiner Gedanken sind unlogisch!

Lieber Herr Lehnert,

Sie sind beziehungslos und glauben, dass Sie eine Beziehung haben. Aha! Sehr spannend!

Ihr Buchtitel lautet "Warum ich kein Christ sein will".
Diese Frage könnten Sie doch locker mit einem Satz beantworten. Das tun Sie aber nicht, ganz im Gegenteil, Sie beschäftigen sich intensiv mit dem christlichen Glauben und kennen das Wort Gottes bald auswendig. In der Originalausgabe!

Ich kann Sie wirklich gut verstehen, denn in zunehmenden Alter melden sich christliche Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach Tod und Auferstehung, nach Gott und Jesus und dem Heiligen Geist immer öfters zu Wort – und sie drängen und verlangen nach Antworten.

Nix für ungut, aber ich habe den schlimmen Verdacht, dass der Heilige Geist über Sie gekommen ist, Herr Lehnert! Der weht bekanntlich wann er will und wo er will, denn der Heilige Geist, die Kraft Gottes, ist ähnlich wie Sie, der lässt sich nicht aufhalten und erst recht keinen Bären aufbinden! Der lässt sich kein X für ein U vormachen!

Gott greift ein, und wir alle sind life dabei! Das ist ganz und gar nicht Hirnverbrannt oder absurd! Es kommt der Zeitpunkt, da werden Sie alles glasklar erkennen.

Ich glaube, Sie werden mitten in Ihren Zweifeln und Ihrer Suche, alle Antworten finden. Heute könnte für Sie ein Buß-und Bet-Tag sein. Was sagen Sie dazu?

Es wäre doch gelacht, wenn nicht bald ein neues Buch von Ihnen erscheinen würde. Vielleicht mit dem Titel "Gott greift ein" - ob nun positiv oder negativ?

Ich traue Gott einiges zu Herr Lehnert.

Das meist NICHTGELESENE Buch auf der Erde ist unbestritten die Bibel! Ich als "Atheist von Gottes Gnaden" habe sie gelesen, durch und durch. Mir kann man hier nichts vormachen!

Nie darf man so tief sinken, den Kakao, den durch man euch zieht, auch noch zu trinken! ERICH KÄSTNER

Der Jesus von Nazareth, der als Messias auftrat, die Sittlichkeit des Gottesreiches verkündete, das Himmelreich auf Erden gründete und starb, um seinem Werke die Weihe zu geben, hat nie existiert. Es ist eine Gestalt, die vom Rationalismus entworfen, vom Liberalismus belebt und von der modernen Theologie in ein geschichtliches Gewand gekleidet wurde.
Es kommt fast für jeden Menschen der Augenblick, wo die überkommene und angelernte Religion von ihm abfällt wie der Mörtel von der Wand. Erziehung, Haus und Familie, religiöses Milieu, alles kann nichts helfen, denn es muß so kommen, damit der Mensch er selbst wird. ALBERT SCHWEITZER

Hallo Eberhard!

Möchte deinen Beitrag noch ergänzen:

Was auch geschieht!

Was auch immer geschieht:
Nie dürft ihr so tief sinken,
von dem Kakao, durch den man euch zieht,
auch noch zu trinken!

Was als Einzelstück eine witzige Sprachspielerei auf die Redewendung "jemanden durch den Kakao ziehen" sein könnte, bekommt durch den Zusammenhang mit dem Zeitgeschehen und den anderen Gedichten des Bandes von Erich Kästner eine kakao-bitter-ernste Bedeutung: Deutschland droht im braunen Gebräu zu versinken.

Wie ihr's träumt, mein lieber Eberhard,
werden Deutschlands Atheisten nicht erwachen.
Denn ihr seid dumm, und seid nicht auserwählt.
Die Zeit wird kommen, da man sich erzählt:
Mit diesen Leuten war kein Staat zu machen!

Frei nach Erich Kästner

Man kann jedoch nicht tiefer fallen als in Gottes Hand!
Wer dennoch freiwillig von Gottes Hand hinabspringt, der wird untergehen, versinken,
zu Grunde gehen und aussterben.

Was für eine erbärmliche Angst steckt hinter diesem Kommentar! Ich fürchte keinen Gott oder Teufel,
ich fürchte jene Menschen, die jeglichen Mist als gottgegeben hinnehmen und auch noch zelebrieren.
Ein gott schuf den Menschen nach seinem Bilde! Ach du lieber gott, dich auch??

Lieber Eberhard, Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde. Damit ist die vorhandene, innerseelische Gottebenbildlichkeit gemeint.

Das bedeutet nun für Dich Eberhard, dass Du dich so sehr verändert hast, dass Du von der Gott Ebenbildlichkeit dich immer weiter entfernst. Eins ist klar geworden: Mit Gott hast du nichts gemeinsam.

Wenn ein Mensch die "Alarmanlage" Angst ausschaltet, dann ist der Schutzmechanismus ausgeschaltet und das kann schlimm enden.

Tipp für dich:
Lieber einmal mehr einen Fehlalarm auslösen, als den Schutzmechanismus komplett abzustellen.

"Adam, wo bist Du"? rief Gott - Und Adam versteckte sich, weil er Angst hatte, denn er bemerkte, dass er nackt war.

Alle Menschen dieser Erde kennen das Gefühl von Angst. DU scheinst doch tatsächlich der einzigste Mensch ohne Sünde zu sein!

Ich liebe die Sünde! Ich versündige mich gegen den von Menschen erfundenen Gott, ich sündige, wenn ich mich nach hübschen Frauen mit gottbegnadeten Körpern umschaue, ich sündige, wenn ich kirchenkritische Schriften lese, ich sündige, wenn ich mich im "Adams Kostüm" im Freien bewege, ich sündige, wenn ich alle Gräueltaten des Christentums verabscheue und jegliche Handlungen der Kirche bis in die heutige Zeit verachte. Ich sündige, wenn ich die von den Kirchen angeblichen Wahrheiten einschließlich der Bibel für verlogen halte. Ich sündige, wenn ich mich gegen "Kirchengesetze" wende. Ich bin Mensch und kein Kriechtier. Ich bin kein Scheinheiliger!!

Diese Sünde macht mich stolz und siehe, sämtliche Drohungen dagegen prallen an mir ab und ein Gott nebst Sohn hat gar nichts dagegen. Ach wie schön ist doch ein herrlicher Sonnenaufgang und morgendliches Vogelgezwitscher, Gesundheit und Wohlgefallen.
Lieber im Schoss einer Frau als im Schoss der Kirche.
Der liebe Eberhard, Atheist von Gottes Gnaden.

Lieber Eberhard!

Sünde macht Dich "stolz"!
OHA!

Dein Stolz entspringt folglich der Sünde und der Gewissheit etwas Zukunftsträchtiges und Anerkennungswertes geleistet zu haben. Darauf bist Du sehr stolz.

Sehr spannend! Da tut sich ja ein völlig neuer Wertehorizont auf - so nach dem Motto: Du musst ein Schwein sein in dieser Welt-----!!! Überheblichkeit ist nämlich die erste der 7 Hauptsünden.

Wenn es Dich interessiert, was der dreieinige Gott über Hochmütige denkt, hier die Textstelle aus der Bibel:
"...So muss ich im Verborgenen weinen über den Hochmut, und mein Auge muss ohne Unterlass Tränen vergießen".

Dies ist wohl eine der eindruckvollsten Stellen, wie sehr unser Wohlergehen Gott am Herzen liegt.
Hochmut entsteht da, wo wir nicht mehr auf Gott hören und Stolz entfernt uns von Gottes liebender Nähe.

Sprichwort - stammt aus der Bibel (Sprüche 16,18): "Wer zu Grunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.

Lieber Eberhard, "Selbstüberschätzung kommt vor dem Scheitern".

Ach so einer bist Du also!
Gottes Schöpfung willst Du selbstverständlich genießen und für Dich in Anspruch nehmen: Einen traumhaften Sonnenaufgang, morgendliches Vogelgezwitscher und auch jeder "Eva" auf den Po und Busen starren.

Der Mensch (lat. Homo sapiens) ist ein einsichtsfähiger, weiser Mensch und er ist Teil der Natur.
Mensch bedeutet Knecht/Magd.

Es mag sein, dass Du persönlich vom Affen abstammst (lat. Haplorrhini).
Meine Vorfahren sind auf jeden Fall Menschen im sündigen Adam- und Eva`s Konstüm.

Die Kirche soll der Leuchtturm unserer Gesellschaft sein, der Menschen (keine Affen) zu unserem Herrn und Retter Jesu Christi führt. Die Kirche soll beides. Das Evangelium bekannt machen und Mitglieder dazu auszurüsten selbst das Evangelium zu verkünden.

Wir sind dann nicht mehr wie unmündige Kinder (oder dumme Affen), die kein festes Urteil haben und auf dem Meer der Meinungen umher getrieben werden wie ein Schiff von den Winden. Wir fallen nicht auf das falsche Spiel herein, mit dem betrügerische Menschen (Affen?) andere zum Irrtum verführen!

Jedoch: Wir sollen in Liebe miteinander umgehen! Das wünscht unser Gott!

Die Kirche sollte ein Ort der Gemeinschaft sein, wo Christen sich als Brüdern und Schwestern begegnen und sich gegenseitig ehren (Römer 12,10), ermahnen (Römer 15,14) freundlich und hilfsbereit zueinander sind (Epheser 4,32), sich gegenseitig ermutigen (1 Thessalonicher 5,11) und am wichtigsten, einander mit Liebe begegnen (1.Johannes 3,11).

Ich wünsche Dir auch weiterhin viel Genugtuung, Begeisterung für Dein Tun und Wohlgefallen.

Kein Mensch folgt den Worten und Weisungen eines Gottes, ohne sich hiervon einen ganz persönlichen Vorteil zu versprechen – ganz gleich, ob dieser Gott in aller Macht und Herrlichkeit in der Welt präsent wäre oder nur in unserer Vorstellung existiert, und ganz gleich, ob wir die Hilfe Gottes stets auch für unseren Nächsten erhoffen. Damit aber ist das Kernproblem der Religion bereits genannt: Religion führt nicht zu Gott, sondern wirft mich letztlich immer wieder auf mich selbst zurück, genauer, auf die "schlechthinnige Abhängigkeit", die mein Menschsein nun mal mit sich bringt. Das aber heißt m. E., dass uns weder der bloße Glaube noch diese oder jene Segenshandlung Gottes wirklich erretten kann, sondern einzig unsere Erlösung aus eben dieser Abhängigkeit – einer Abhängigkeit, die zwangsläufig zu einer Selbstbezogenheit führt, in welcher es uns bestenfalls ansatzweise möglich ist, unseren Nächsten wie uns selbst zu lieben. – Ist nun aber nicht gerade die Botschaft des Christentums, dass Gott in Jesus Christus ein ganzer, wahrer Mensch geworden ist, die Verheißung auf diese Erlösung schlechthin – eben weil die absolute, vom Menschen her unüberwindliche Grenze zwischen Gott und Welt im Sohn überwunden worden ist? – Gewiss: auch das muss – hier und jetzt – zuvörderst mal geglaubt werden, sodass auch diese Theorie womöglich nichts Besseres ist als eine schöne Illusion. Aber wir könnten es doch wenigstens mal versuchen. Vielleicht erfahren wir dann ja doch eine Gegenwart Gottes, die uns hilft, in dieser Kraft in heute noch ungeahnter Weise unserem Nächsten helfen zu können. Und das ist so oder so allemal besser, als auf die alte religiöse Art und Weise – also passiv – auf die Hilfe, das Eingreifen Gottes zu hoffen, egal, ob für ein Fußballspiel oder weitaus wichtigere Dinge.

Mach dir nichts vor!

Ich bin durch einige Beiträge noch einmal sehr ins Nachdenken gekommen. Es geht mir wie anderen Gesprächspartner_innen auch darum: Wie kann ich versuchen auf die Frage „Greift Gott ein“ so zu antworten, dass ich gegenüber leidenden Menschen Respekt wahre, deren Gebete in Gewalt oder Elend oder zerstörerischer Krankheit nicht erhört wurden? Wie kann ich dabei von Gott so sprechen, dass ich auch ihm gegenüber Respekt wahre: dass ich ihn als „Gott in Beziehung“ ansehe und nicht wie ein „Ding“, also gegenüber Gott mindestens die Achtung zeige wie gegenüber anderen Menschen?

Ich versuche über diese Fragen als protestantischer Christenmensch nachzudenken. Antwortversuche von Menschen anderer religiöser Orientierung und von konfessionslosen Menschen sind mir dabei wichtig und geben mir Anstöße zum eigenen Nachdenken und Reden; ich bin ihnen und mir zugleich schuldig, Fragen und Antwortversuche aus christlicher Perspektive zu formulieren. Dabei sind die Erzählungen, Gebete und Bekenntnisse der Bibel die verbindliche, unaustauschbare Erzähltradition (wie Menschen anderer religiöser Orientierung und konfessionslose Menschen jeweils die ihre haben).

Einen Gott, den „es gibt“, gibt es nicht (das wäre mein Antwortversuch an die rational argumentierenden Atheisten und meinen Gesprächspartner_innen). Ich bin nicht an einem theoretischen Beweis der Existenz Gottes interessiert – solche Beweise sind in der Geschichte der christlichen Theologie und ihrer Auseinandersetzung mit philosophischen Traditionen gescheitert. Gott zeigt sich als Gott in Beziehung. Die Bibel erzählt von Gott auf eine Weise, dass er ein Gesicht bekommen hat: Gott hat sein Volk Israel aus Gefangenschaft und Unterdrückung befreit. Gott hat alles Leben geschenkt und es als gut angesehen. Gott hat in Jesus von Nazareth sein Gesicht gezeigt: sich mit deklassierten und entrechteten Menschen gemein gemacht, das Leben gefeiert, Kranke geheilt und mit der Frage konfrontiert: „willst du gesund werden?“, ist mit religiösen und politischen Autoritäten in Konflikt geraten und auf elende Weise hingerichtet worden. Die Bibel erzählt von Gott so, dass er für das Leben der Zerschlagenen und Unterdrückten eintritt und ihre Befreiung will. Sie erzählt aber von Gott nicht so, dass er nur „lieb“ ist.

Mein Lehrer in biblischer Theologie Jürgen Ebach aus Bochum hat das an einer kleinen Szene erzählt: „der Hund ist lieb“ ist die tröstliche Mitteilung an Menschen, die in Begegnungen mit Hunden Angst haben, „er tut nichts“. Ein Gott, der „nur lieb“ ist, wäre ein Gott, der nichts tut. In all diesen biblischen Erzählungen (und es gibt zahllose weitere) wird die Ambivalenz des Lebens nicht verleugnet. Das Elend wird nicht schön geredet. Die Befreiung des Volkes Israel hat als blutige Kehrseite die Vernichtung zahlloser Menschen und Tiere aus der damals herrschenden Macht Ägyptens; in einer rabbinischen Auslegung dieser Geschichte wird erzählt, Gott habe seinen Lobengeln, die ihn für sein Befreiungshandeln gepriesen haben, gesagt: „gedenkt auch meiner Ägypter!“ Dass Gott alles Leben geschaffen hat, erzählen sich die Menschen in einer für das Gottesvolk aussichtlosen Situation der Unterwerfung und Vertreibung durch die Großmacht Babylonien – alles hätte dafür gesprochen, mit der politischen auch die religiöse Unterwerfung zu akzeptieren. Und die Freundinnen und Freunde Jesu haben nach einer ersten Zeit von Enttäuschung, Flucht und Verleugnung Begegnungen mit dem Lebendigen gemacht, die sie zu dem Bekenntnis gebracht haben: der Tod hat seine Macht verloren, der am Kreuz Hingerichtete lebt.

In all diesen Erzählungen wird das Zerstörerische in der Ambivalenz des Lebens nicht verleugnet, sondern umerzählt: die zerstörerische Gewalt, letztlich die Gewalt des Todes behält nicht die letzte Macht, sie wird in der heilsamen Beziehung zu Gott verwandelt und vom Leben verschlungen.

Von Gott wird in der Bibel nicht als „unbewegtem Beweger“ erzählt, sondern so, dass er mit seinen Menschen mitgeht und mit leidet, dass er dabei bleibt auch im letzten Elend. Ein Gesprächspartner hat geschrieben, ihn würde diese Vorstellung eher bedrücken; ich kann das nur schwer verstehen. In Situationen des Elends werde ich davon getragen, dass Menschen da sind, die zu mir stehen. In der Beziehung zu Gott geht es mir nicht anders. Ich spüre seine Nähe, ich kann mit ihm in Kontakt treten, kann ihm klagen und ihn anklagen und ihn bitten und bestürmen. Ich vertraue ihm und weiß zugleich, dass er nicht alles tun wird, worum ich ihn bitte. Das geht mir mit Menschen, die ich liebe, auch so. Die Passionsgeschichte erzählt, dass Jesus in der ausweglosen und elend tödlichen Situation am Kreuz einen Psalm gebetet hat: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen.“ Jesus beklagt seine Gottverlassenheit, er klagt Gott dafür an, und zugleich gibt er die Beziehung nicht auf, spricht Gott als „mein Gott“ an.

Von Gott wird in der Bibel nicht als großartiger Machtzusammenballung erzählt. Wie Menschen Gott erleben und wie sie zu ihm stehen, wird an ihrem Verhalten zu solchen Menschen deutlich, die aus Armut in Schuldknechtschaft geraten sind, die keine Lebenssicherheit und keine Rechte haben (den Witwen und Waisen). Gott rüstet seine Macht ab: er kommt nicht in einem Gewittersturm oder Erdbeben, sondern in einem „stillen sanften Sausen“. Wenn Christen im Vaterunser beten: „Dein Reich komme“, dann rechnen sie nicht mit einer grandiosen militärisch-politischen Entmächtigung aller „Ganoven“, die immer noch die Welt beherrschen (um mal Udo Lindenberg zu zitieren), sondern mit der unspektakulären, aber wirksamen Unterbrechung der Gewaltzusammenhänge, mit dem Eintreten eines neuen Lebens, in dem kein Leid und keine Gewalt, keine Schuld und kein Tod mehr sein werden.

Wenn wir darum beten, dann glauben und hoffen wir, dass die Mörder der Pogrome unserer Tage ebenso wie vergangener Massaker nicht über ihre Opfer triumphieren werden, dass die Geschundenen nicht vergessen und genauso wenig die, deren Leben zerstört wird – heute mit besonderer Brutalität immer wieder auf überfüllten Flüchtlingsbooten, um die „Festung Europa“ zu „schützen“. Greift Gott ein – ja, immer wieder, heilsam und rettend und tröstend. Nein, immer wieder nicht, auch wenn Menschen in grausamster Bedrängung zu ihm schreien.

Das ist kaum zu ertragen, nicht schön zu reden. Aber Gott ist im tiefsten Elend da, bei denen, die keine Macht und keine Perspektiven haben, die keine Leistung anbieten können, deren Gesundheit zerbricht. Darauf können wir uns verlassen. Gott ist da in der Feier des Lebens, wenn das Leben gelingt und gut ist. Er lässt die nicht allein, die von der Brutalität des Lebens und ihrer Mitmenschen zerstört werden. Ohne diese tiefe Ambivalenz ist das Leben nicht zu haben.

Dass Sie sich noch einmal zu Wort melden, deute ich als ein Zeichen ehrlicher Dialogbereitschaft. Ich anerkenne das redliche Bemühen um eine befriedigende Antwort, überzeugen kann mich das dennoch nicht, so sehr auch in weit ausholenden Beschreibungen von Lebensglück und Lebensnot, von angeblicher Beglückung durch erfüllte Gebete und verzweifelter Enttäuschung bei nicht erhörten Gebeten die Rede ist. Das Problem ist nicht dialektisch in dem Sinne zu lösen, dass man zugleich Ja und Nein sagt, dass man Gott attestiert, die Gebete zu erhören und nicht zu erhören. Sie schreiben „Greift Gott ein – ja, immer wieder, heilsam und rettend und tröstend. Nein, immer wieder nicht, auch wenn Menschen in grausamster Bedrängung zu ihm schreien.“ Es ist dies leider jene Art von – Verzeihung – konstruierter Theologie, die ich in Diskussionen mit Gläubigen und befreundeten Pfarrern immer wieder zu hören bekam und die erfunden wird, um das Unlogische irgendwie doch logisch und annehmbar erscheinen zu lassen. Dabei gibt man vor, den Gegensatz zwischen Glauben und Vernunft dadurch zu lösen, dass man den Widerspruch zu einer „höheren Wahrheit“ erhebt. Ich respektiere diese Ihre ganz persönliche Auffassung, auch wenn ich zwischen den Zeilen zu spüren glaube, dass es auch Ihnen nicht leicht fällt, mit diesen Widersprüchlichkeiten im Verhalten Ihres Gottes zurecht zu kommen. Mein Verstand und meine Lebenserfahrung jedenfalls sind nicht bereit hinzunehmen, dass die Antworten auf das mir unerklärliche und unbegreifliche Verhalten Gottes – so es ihn denn überhaupt gibt – unseren Erfahrungen, Erkenntnissen und bewährten Denkmustern diametral entgegengesetzt sein sollten, dass sie als umso glaubwürdiger gelten sollten, je mehr sie unserem Ver¬stand und Erfahrung widersprechen. „Credo, quia absurdum – weil es absurd ist, kann ich es nur glauben“, ein theologischer Satz, der Ihnen sicherlich bekannt sein wird. (www.uwelehnert.de)

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist. (Lukas 19,10)

Im Alten Testament findet man die Verheißung des "Menschensohns". In den Schriften des frühen Judentums kristallisierte sich der Menschensohn immer stärker als eine endzeitliche Figur heraus, die gewissermaßen die Verkörperung des endgültigen und vernichtenden Gerichtes Gottes ist. Angesichts des schreienden Unrechts in der Welt konzentrierte sich verständlicherweise die Verheißung, dass der Menschensohn alle Übeltäter vernichten wird und durch diese Vernichtung die Gemeinschaft der Heiligen herstellen wird. Im "Menschensohn" konzentrierte sich das große Versprechen, dass kein Ungerechter ungestraft in die neue Zeit des Gottesreiches hinüberkomme.

Das Lukasevangelium sieht in Jesus die Erfüllung der alten Verheißung des Menschensohns. Aber was für eine Erfüllung!
In Lukas 5 heilt der Menschensohn einen Gelähmten und vergibt ihm zugleich seine Sünden. Zu den Schriftgelehrten und Pharisäern sagt Jesus "Ihr sollt erkennen, dass der Menschensohn die Vollmacht hat,hier auf der Erde Sünden zu vergeben". Das Heilungswunder soll ihnen dafür die Augen öffnen.

In Lukas 19,20 steht: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist". Er tut, was nach israelitischer Vorstellung nur der Weltenrichter im Endgericht tun kann. Er spricht die Angeklagten frei.

Was ist aus der Menschensohn-Verheißung, der verheißenen Abrechnung geworden? Das alte Versprechen, die Bösen zu beseitigen, wird erfüllt in der Vergebung der Sünde. In der Sündenvergebung wird der Böse von seiner eigenen Bosheit unterschieden und von ihr befreit.

Das alte Versprechen, die Übeltäter zu vernichten, wird darin erfüllt, dass der Menschensohn selbst sein Leben für die Übeltäter einsetzt, dass er bei ihnen einkehrt und in eigener Person ihre Gottesferne überwindet (Beispiel Zöllner Zachäus)

Es ist ein ungeheurer Schritt weg von dem Gott, der menschliches Wirken zu wägen und darüber zu urteilen hat, hin zu dem Gott, der verwirktes und verfahrenes Leben rettet.

Was Gott auch immer planen und tun wird, er wird es planen und tun in Gemeinschaft mit dem Menschensohn. Und dieser wird kein jenseitiger Richter sein, sondern der, der gekommen ist, zu suchen, zu finden und zu retten.

Gott greift ein, denn er möchte keinesfalls, dass jemand verloren geht!

Diese genannten Worte aus der Bibel sind Grund genug, Christ zu werden. Denn es handelt sich nicht um den strafenden Gott sondern um den liebenden Gott.

Schon die Vokabel "eingreifen" macht deutlich, was Gott tun müßte - nämlich in einen ganz gewöhnlichen Ablauf des Lebens, bestimmt durch Gesetze, Entscheidungen, Zufälle "eingreifen", also den Ablauf des Lebens unterbrechen oder ihm eine neue Richtung geben. Ob er das tut oder getan hat, läßt sich - je nach Glaubenslage - immer nur hinterher interpretierend feststellen. "Das war Gott, der mir einen neuen Weg gezeigt hat, als alles angestemmt war". Auch die Bibel beschreibt Erfahrungen mit Gott. Die Befreiung Israels aus Ägypten wird vom Glauben her interpretiert, der Israel als Gottes Volk sieht. Dieser Glaube sieht nicht, dass diese Befreiung ein blutiger Eroberungskrieg gegen die Kanaanäer war, dass Ross und Reiter der Ägypter ins Meer stürzten, weil Gottes so wollte und dass Miriam darüber tanzt und singt. Wenn hier Gott wirklich eingegriffen hat, dann hat er das zu Ungunsten anderer Menschen getan.
Für mich ist das Gebet eine Auseinandersetzung mit mir selbst und eine damit verbundene schwere Denkarbeit. Ich kann für die Hungernden auf dieser Welt nicht beten, ohne meinen Anteil an diesem Hunger zu reflektieren. Ich kann Gott nicht bitten, dass ich gesund von der Autobahn komme, wenn ich nicht zugleich ein Teil derer bin, die verantwortlich fahren. Ich kann immer nur versuchen, einer von den kleinen Leuten zu sein, die viele kleine Schritte tun und damit das Gesicht der Welt verändern. Und das Gebet arbeitet in und an mir, und wenn ich so will, arbeitet Gott an mir.
Interessant ist, dass Christen gern in Dankgebete formulieren, was an Gutem geschehen ist. Hat die Sonne wunschgemäß zum Gemeindefest geschienen, dankt der Pfarrer am Ende des Tages für das tolle Wetter. Und wenn es regnet - wofür danken wir dann? Bitten wir um Sonne, weil wir es nicht ertragen können, dass es an einem Fest regnet, obwohl die Bauern den Regen dringend brauchen? Ist Gebet dann nicht sehr egoistisch?
Ich denke an den Gelähmten am Teich Bethesda, der nicht geheilt wird, weil er es nicht rechtzeitig schafft, an das wundertätige Wasser zu kommen und vielleicht darüber mit Gott hadert. Niemand bringt ihn hin. Und dann kommt Jesus und fordert ihn auf, den Weg zu gehen. Und er geht und wird geheilt. Aus seinem Gebet ist eine Aktion geworden.
Manche Gottesdienst-Gebete berühren mich peinlich. Da wird betend für alles möglich drauflosgeplappert, als wollte man sein Gewissen entlasten, werden Gott alle Leidenden dieser Welt ans Herz gelegt und dann geht man nach Hause und es bleibt alles beim Alten -weder mehr Gerechtigkeit, noch Gesundheit für die Kranken, noch Trost für die Einsamen und Alten, denen Gott beistehen soll. Oder doch? Ja, wenn sich nur einer nach dem Gottesdienst aufmacht und einen Einsamen besucht. Und der mag dann sagen: dich schickt der Himmel, Gott sei Dank. Trotzdem bleibt in allem die harte Tatsache, dass unser Leben dunkle Zeiten kennt und oft genug wir diese Zeiten unverändert durchleben müssen. Dafür hat der Glaube verschiedene Eklärungen gefunden von "Gottes Wille" bis hin zu "wer weiß wozu es gut ist" oder durchs Gebet ein Stück Kraft mobilisiert. Und je kälter und unsozialer eine Gesellschaft wird, desto mehr werden es, die von den Gebeten nichts haben.

Ich möchte, nein ich muss mich scharf von all denen absetzen, die das Gebet instrumentalisieren. Was habe ich da alles schon gehört. Zum Beispiel, dass Gott, weil er mich liebt, mich vor Krankheit immunisiert, während er andere zugrunde gehen oder mindestens krank werden lässt. Eine unglaubliche Hybris! Gott greift ein? Ja, umfassend. Auch dadurch, dass er mir die Einsicht gibt, das Richtige zu tun, das Falsche zu lassen. Jedoch gibt es keine Garantie, so dass ich immer auf seine vergebende Freundlichkeit angewiesen bleibe. Kein Automatismus, auch keine fromme Erklärung. Letztlich nichts anderes als das Wissen um die "schlechthinnige Abhaengigkeit" (Schleiermacher). Der Gedanke an einen Fussballgott - eine Blasphemie.
Guenter Apsel

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