Braucht Deutschland bewaffnete Streitkräfte?
Illustration: iStockphoto/Robert Adrian Hillman
Vorgestellt
Klaus Wittmann
Brigadegeneral a.D. Dr. Klaus Wittmann wurde 1946 in Lübeck geboren. Er studierte Geschichte und Politik, war 42 Jahre lang im Bundeswehrdienst, nahm militärpolitische Funktionen wahr und bildete Offiziere aus. Wittmann war außerdem Mitglied der 10. Synode der EKD und der Kammer für Öffentliche Verantwortung, in der die Friedensdenkschrift des Rates der EKD von 2007 entstand.
Soll sich die Bundesrepublik als "Zivilmacht" orientieren, oder brauchen Politik und Diplomatie in der heutigen Welt ein "militärisches Rückgrat", um sich wirksam an der Eindämmung und Verhinderung von Konflikte zu beteiligen? Auch wenn der alte Slogan "Frieden schaffen ohne Waffen" einen schönen Wunschtraum zum Ausdruck bringt, kann man sich Wehrlosigkeit als sicherheitspolitisches Konzept schwer vorstellen. In der Konsequenz braucht auch Deutschland Streitkräfte mit moderner Bewaffnung und eine leistungsfähige Rüstungsindustrie.
Nötig ist aber auch eine vertiefte Einsicht in die Rolle des Militärischen im staatlichen und internationalen Handeln. In "postheroischen" Gesellschaften (Herfried Münkler), zumal der deutschen, ist erfreulicherweise jede Kriegslüsternheit verschwunden. Aber die Bereitschaft, für Frieden, Freiheit und äußere Sicherheit Anstrengungen zu unternehmen und Opfer zu bringen, ist ebenfalls schwach ausgeprägt. Jüngst bescheinigte ein Autor den Deutschen "sicherheitspolitischen Analphabetismus". Beigetragen haben dazu neben der historisch bedingten Kriegsaversion die Sorge der politischen Führung, bei der öffentlichen Meinung anzuecken, sowie jahrelange Ehrlichkeitsdefizite und Vermeidungsrhetorik hinsichtlich des Afghanistaneinsatzes.
"Ultima ratio" bedeutet nicht "letztes", sondern "äußerstes" Mittel
Zwar steht eine gewisse "Kultur militärischer Zurückhaltung" Deutschland wohl an, nie wird es so interventionistisch sein wie die USA, Großbritannien oder Frankreich. Und für kein sicherheitspolitisches Problem gibt es heute eine militärische "Lösung". Andererseits scheinen manche Verfechter "politischer Lösungen" jeglichen militärischen Beitrag auszuschließen. Zumindest gegenüber bestimmten Akteuren schwächt das die Diplomatie.
Wie Clausewitz lehrt, hört die Politik nicht auf, wenn sie sich militärischer Mittel bedient. Einsatz militärischer Gewalt als "ultima ratio" bedeutet nicht "letztes" Mittel (nach Versagen aller anderen), sondern "äußerstes" Mittel. Dessen frühzeitige, dosierte Anwendung bzw. glaubwürdige Demonstration kann bisweilen Schlimmeres verhindern. Auf dem Balkan hätte 1991 Milosevic mit sehr begrenztem militärischem Einsatz oder auch nur dessen entschlossener Androhung Einhalt geboten werden können. Stattdessen wurde er in der Sicherheit gewiegt, militärisch habe er nichts zu befürchten. Vier Jahre später musste doch interveniert werden - um einen viel höheren Preis, und Hunderttausende hatten inzwischen Leben oder Heimat verloren.
Militärische Fähigkeiten und NATO-Mitgliedschaft sind eine Versicherungspolice
Gewiss sind militärische Interventionen problematisch. Aus Afghanistan, Irak, Libyen müssen Lehren gezogen werden bezüglich Legitimation, Aussichten und Fehlern. Regimesturz ist noch nicht "Regimewechsel", Demokratie kein Exportartikel. Und noch stets sind die Anforderungen der Wiederaufbauphase nach Interventionen unterschätzt worden. Aber die jüngste Geschichte kennt auch versäumte Interventionen - Nichthandeln kann ebenfalls schuldig machen. Die von den Vereinten Nationen proklamierte "Schutzverantwortung", im Fall Libyen erstmals Grundlage einer Resolution des Sicherheitsrats, ist zwar ebenfalls problembehaftet, aber prinzipiell bedeutet sie einen völkerrechtlichen Fortschritt. Mit welcher Mischung aus politischen und militärischen Mitteln sie künftig zu implementieren ist, bedarf gründlicher konzeptioneller Debatte.
Deutschland ist mitverantwortlich für die globale Sicherheit. Diese Mitverantwortung muss erklärt werden. Die Gesellschaft muss eine Vorstellung davon haben, was es bedeutet, Soldaten in den Einsatz zu schicken. Noch schwieriger ist es zu verdeutlichen, dass auch heute "Schutz Deutschlands und seiner Bürger" (früher "Landesverteidigung") erforderlich ist, selbst wenn Deutschland nun von Freunden und Partnern umgeben ist - was übrigens nicht für die NATO als Ganzes gilt. Militärische Fähigkeiten und NATO-Mitgliedschaft sind eine Versicherungspolice, die das Aufkommen neuer Bedrohungen sogar vorsorglich verhindern kann. Und die von Deutschland jahrzehntelang in Anspruch genommene Bündnissolidarität mag in einem Fall der Bündnisverteidigung auch von uns einmal eingefordert werden. Zugleich trägt das Land in der Mitte Europas eine besondere Verantwortung für die "Grundstabilität" des Kontinents – hinsichtlich kooperativer Sicherheitspolitik und militärischer Fähigkeiten.
Aus all diesen Gründen braucht unser Land flexibel einsetzbare, gut ausgebildete und modern ausgerüstete Streitkräfte. Das bedingt eine qualifizierte Rüstungsindustrie (die zunehmend mit den Industrien verbündeter Länder kooperieren sollte) und auch die Beteiligung an neuen Entwicklungen wie den zurzeit kontrovers diskutierten unbemannten Flugkörpern (als Aufklärungs- oder auch Kampfdrohnen) einschließt.


Kommentare
Frieden schaffen ohne Waffen geht nicht.
So etwas wird Sünde genannt.
Schurkenstaat Deutschland?
Eine Zivilmacht ist KEINE pazifistische Macht. So viel zu diesem beliebten Irrtum!!!
Diese Werteorientierte Außenpolitik kann man in der Pfeife rauchen. Viel salbungsvolles Geschwätz wie Abrüstung, Umweltschutz, Menschenrechte, Sendungs- und Missionsgedanke, friedlicher Konfliktauftrag - und weitere Träumereien!
In einer Welt mit klaren Regeln (Völkerrecht) und funktionierenden Institutionen (UNO, EU) gibt es weniger schwere Konflikte. In einer Welt, die aus demokratischen, freien Staaten besteht, gibt es deutlich weniger Krieg. Freier Handel ist möglich durch liberale Marktwirtschaft. Was will man mehr?
Außenpolitik ist die Kunst, einem anderen soooo lange auf die Füsse zu stehen, bis dieser sich höflich entschuldigt!
Mal sehn, ob sich das die Zivilmacht gefallen lässt.
Anonymous vom 18.9.
"Zivilmacht2 ist kein definierter Begriff. Die ihn verwenden, benutzen ihn meist programmatisch in Absetzung gegen einen Staat, der sich auch militärischer Mittel als Instrument der Politik bedient.
Brigade General
Auf der Schulterklappe befindet sich ein goldener Stern in goldenem Eichenlaubbogen. Was sagt das eigentlich aus???
Gästin 18.9
Endlich mal eine einfache Frage. aus Wikepedia: Der Brigadegeneral ist in der NATO und einer Vielzahl von Streitkräften ein Einsterngeneral aus der Dienstgradgruppe der Generalität. In den NATO-Ländern ist der Brigadegeneral meist in der Führungsebene als Kommandeur einer Brigade zu finden.
Brigadegenerale (Abk.: BrigGen / in Listen: BG), Generalarzt (Abk.: GenArzt / in Listen: GA) und Generalapotheker (Abk.: GenAp / in Listen: GAP) sind in den Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr (ausgenommen der Deutschen Marine, dort heißen sie Flottillenadmiral) Angehörige der Generalität. Sie sind immer Berufssoldaten. Auf der Schulterklappe befindet sich ein goldener Stern in goldenem Eichenlaubbogen.
Der Dienstgrad wurde 1955/1956 in der Bundeswehr eingeführt, um eine Vereinheitlichung der Generalsdienstgrade innerhalb der NATO zu erreichen, und entsprach damit als unterster Generalsrang dem früher in Deutschland als Generalmajor bezeichneten Rang.
Woher allerdings der Eichenlaubbogen (den Stabsoffiziere, d.h. Majore, Oberstleutnante, Oberste in silberner Farbe tragen) stammt, weiß ich jetzt auch nicht, aber ich kriege es noch raus.
Versicherungspolice prüfen !
Zitat "Militärische Fähigkeiten und NATO-Mitgliedschaft sind eine Versicherungspolice".
Ähem - zur Erinnerung - Versicherungspolicen gibt`s nur in der Schweiz!
In Deutschland kennen wir nur den "Versicherungsschein" . Damit ist folgendes gemeint: Ein Datenblatt mit meist faksimilierter Unterschrift des Versicherers. Damit wird der Beginn des Vertragsdokumentes verstanden. Dass die Unterschrift des Versicherers einfach kopiert wird, ist nicht eindeutig und einwandfrei!
Außerdem können im Versicherungsschein auch Bezugsrechte, Verpfändungen oder Abtretungen zugunsten Dritter eingetragen sein, beispielsweise an Kreditinstitute, zu deren Gunsten im Schadensfall die Versicherungssumme ausbezahlt werden soll.
Ich würde auf jeden Fall die militärischen Fähigkeiten und die Nato Mitgliedschaft genauer unter die Lupe nehmen, um Festzustellen ob wir wirklich soooo gut versichert sind oder ob wir den Krieg bereits auf diesem Papier verloren haben, ehe einer beginnt! Vertrauen ist gut - Kontrolle ist besser.
Anonymous vom 17.9.
auf die bürokratische Definitionsfrage "Versicherungspolice" gehe ich mal nicht ein. Gemeint ist, dass die NATO eine Rückversicherung auch gegenüber noch nicht manifesten Bedrohungen. Das NATO-Beistandsgebiet ist eine der wenigen Regionen der Welt, wo man sich als Mitglied ziemlich sicher fühlen kann. Warum standen (und stehen) denn die Aspiranten auf NATO-Mitgliedschaft Schlange?
Denkschrift der EKD - 2007
Ja was ist denn nun das Resultat gewesen von dieser Friedensdenkschrift, vor 5 Jahren in Memoriam verfasst????
Denke mal, es waren mehr oder weniger rechtsverbindliche Willenäußerungen enthalten oder eine einseitige Absichtserklärung ohne Hand und Fuß........
Wer weiß genaueres über die EKD Denkschrift?
Gästin 14.9.
Die Denkschrift des Rates der EKD vom Oktober 2007 "Aus Gottes Frieden leben - für gerechten Frieden sorgen" finden Sie auf der Website der EKD. Sie lässt sich in der hier gebotenen Kürze nicht zusammenfassen. Ich finde besonders wichtig, dass sie statt "gerechtem Krieg" das Leitbild des "gerechten Friedens" propagiert und für "rechtserhaltende Gewalt" kalre (und restriktive) Kriterien nennt.
Denkschrift der EKD - 2007
Hier ist sie.
Die Kurzformel lautet "muss"
Dankeschön!
Ach Herrje! Ich lese nur "muss - muss - muss"
Alle Institutionen müssen, Europa muss, die Politik muss, die Bundeswehr muss, die EU muss, die Freiwilligen müssen, Entwicklungsdienste müssen, der Staat muss, die Armee muss,..........
Der Zwangsauftrag der EKD lautet: DU musst! Sonst gibt`s womöglich Druck?
Hmm? Was muss eigentlich die evangelische Kirche Deutschlands? Wurde irgendwie vergessen!
Wenn ich die Denkschrift nun richtig verstanden habe, dann soll jeder Einzelne seine Arbeitsnorm, sein Leistungssoll und seine Pflicht und Schuldigkeit tun und seine eigene Berufung und individuelle Mission der bösen Welt kundtun Achso! Alles klar!
JESUS JETZT !
Sicherheitspolitischer Analphabetismus
Man sagt dazu:
Sekundärer Analphabetismus
Das bedeutet:
Das war mal gelernt wurde - ist komplett wieder in Vergessenheit geraten.
Wie kann so etwas nur passieren? Wir sollten mal die Mediziner, Psychiater, Soziologen und Pädagogen befragen. Vielleicht gibt es plausible Erklärung. In der Regel ist es so: Alles was den Mensch nicht wirklich interessiert wird sofort wieder gelöscht.
Militärratio über Jesus gestellt
"'Frieden schaffen ohne Waffen' - geht nicht", das ist ja eine wirklich bemerkenswerte Aussage für eine christliche Website. Jesus mit seinem Gebot der Feindesliebe Utopist, Generäle Realisten - wo bin ich hier nur hingeraten?
Militär-Ratio
Meiner Meinung nach sollte die Militär-Ratio dienen, nicht herrschen. Zum Afghanistan-Krieg habe ich mich deutlich geäußert. Allerdings, da man ihn begonnen hatte, wäre ja eher mehr militärische Ratio von Nöten gewesen. Dass jeder Einzelne die Freiheit hat, im Sinne der Bergpredigt zu handeln, ist keine Frage. Handelten alle so, bräuchten wir kein Militär, was die Soldaten gewiss eher begrüßen würden. Dann könnten die sich darauf konzentrieren, Brunnen und Brücken zu bauen. Aber wäre es nicht doch besser gewesen, man hätte vor Srebrenica eher eingegriffen und Luftunterstützung geleistet? Die Holländer waren doch nicht feige, nur in einer ausweglosen Situation. Oder was ist mit Ruanda gewesen? Hätte man da die Mörder nicht doch militärisch stoppen können? Freilich besteht immer die Gefahr, dass ein Einsatz aus dem Ruder läuft. So habe ich z.B. nie verstanden, warum man entgegen dem Mandat in Libyen die Hauptstadt bombardiert und Zivilisten getötet hat, anstatt das Militär Ghaddafis auf seinem Vormarsch nach Osten aus der Luft zu bekämpfen. Damit hätte man zwar auch das Mandat ausgeweitet aber eben Kombattanten bekämpft und keine Zivilisten. Ich bleibe dabei, Militär ist - leider noch - nötig. Aber auch um der Soldaten und Soldatinnen willen sollte der Einsatz wirklich nur "Ultima Ratio" sein und mit bester Planung und bester Ausrüstung erfolgen. Wieweit man das von den Einsätzen der Bundeswehr sagen kann, wissen die Beteiligten besser als ich.
Frieden schaffen
Dass ich nicht missverstanden werde: Frieden mit Waffen zu schaffen, geht gar nicht. Das geht nur durch Verhandlungen auf allen möglichen Ebenen. Dass es immer gelingt, durch militärische Einsätze oder der Drohung damit Frieden zu sichern, das scheint mir auch nicht gegeben. Aber ich halte es doch gelegentlich für möglich. Und nur dafür brauchen wir Soldatinnen und Soldaten mit möglichst guter Ausrüstung und unter bestmöglicher Planung. Aber was die Friedensbewegten m.E zu recht anprangern, ist die Tatsache, dass viel zu kurzsichtig gehandelt wird, die Friedenssicherung viel zu halbherzig und zu spät betrieben wird. Und da kommen eben auch die, teils noch subventionierten, also mit Steuergeld bezahlten Rüstungsexporte ins Spiel. Erst werden Diktatoren damit angefüttert, (u.A. Ghaddafi und die Taliban), und dann müssen die plötzlich bekämpft werden. Oder wer denkt denn heute noch daran, dass mit Hilfe der CIA der gewählte Präsident des Iran, Herr Mossadegh, weggeputscht wurde, der Schah sein Terror-Regine einrichten konnte, mit der Folge, dass jetzt, nach Jahrzehnten, ein blutiges Regime Atomwaffen bekommen wird und im Übrigen den Frieden in Syrien nachhaltig verhindert. Und da helfen eben keine Waffen. Da hätte geholfen, wenn sich die USA damals an das Völkerrecht gehalten hätten.
Prosit!
Wesentlich schwieriger ist es zu verdeutlichen, dass auch heute "Schutz Deutschlands und seiner Bürger" erforderlich ist, obwohl selbst die deutschen Kreisstädte nur noch von "Freunden und Partnern" umgeben ist.
In unserer Stadt werden Städte-Partnerschaften mit einer Stadt aus der Normandie, Frankreich, Dorset England, Ungarn und einer Stadt aus dem asiatischen Teil der Türkei gepflegt, die direkt an der syrischen Grenze liegt.
Das ganze nennt man dann "Beitrag zur Völkerverständigung".
Begegnungen sollen in allen Bereichen des täglichen Lebens gefördert werden, angefangen beim Schüleraustausch, im Bereich der Kultur, des Sports und der Religion, bis hin zur wirtschaftlichen Kooperation.
Bei dieser ständigen Fest- und Feierlaune mit den Partnerstädten denkt doch niemand mehr dran, dass der Bürger geschützt werden muss!
Prostata !
şerefe !
à la tienne vôtre !
Cheers !
Hicks...
Geheimnisumwittert
Kooperationen gibt es doch bereits haufenweise!
Eine "ausgelagerte Maschine" wird z. B. von einem deutschen Firmenchef nach Togo/Westafrika verschenkt, damit direkt vor Ort was passieren kann. Selbst wenn das gute Stückt nur in die Einzelteile zerlegt wird oder das Alteisen verscherbelt wird, um dann mit dem Erlös Waffen zu kaufen. Die deutschen Unternehmen unternehmen was, und beschäftigen im Gegenzug die eingeflogenen Togolaner mit unbefristeten Arbeitsverträgen und beschützen diese mit aller Gewalt und um jeden Preis, auf Biegen und Brechen, und auf Teufel komm raus - vor Abschiebung, wenn`s sein muss sogar mit Unterstützung der Kirchengemeinde samt Pfarrer und Mahnwache plus Asyl in der Kirche und Medienrummel inclusive.
Was ist das nun? Praktizierte Nächstenliebe von Firmenchefs oder Kirchengemeinden? Oder ein Projekt vom Weltfrauentag aus Afrika? Oder unterstützen wir mit unserer Naivität den Waffenhandel?
Wenn man mal in der deutschen Vorurteilskiste kramt, kommen Stereotypen aller Art hervor, nämlich:
Der Afrikaner an sich schnackselt, faulenzt den lieben langen Tag und Rechnen ist auch nicht grad seine Stärke. Dafür kann er schon in der Wiege tanzen, trommeln und später auch sehr schnell laufen.
Was könnte die Motivation von Angela Merkel sein, sich laufend auf die Augenhöhe von Diktatoren zu begeben, um deutschen Rüstungsschmieden im Ausland Aufträge zu verschaffen?
Für den Normalo Bürger ist das alles sehr nebulös, orakelhaft und abgründig! In Anbetracht der Kirchenaustritte glaube ich kaum, dass irgend etwas aus purer Nächstenliebe geschieht.
Anonymous VOM 4.9.
Als Autor des Artikels fühle ich mich nicht kompetent, zu allen angesprochenen Aspekten von Entwicklungshile, Asylpraxis usw. (Wo naqtürlich vieles problematisch ist) Stellung zu nehmen. Zur Rüstungsexportpraxis hatte ich mich schon gestern geäußert. Wenn "Normalo Burger" "das alles "nebelhaft, orakelhaft und abgründig" findet, so gibt es Möglichkeiten, sich übe die Rüstungsexportrichtlinien und die Debatten der letzten Monate sehr gründlich zu informieren. Dass im staatlichen Handeln Nächstenliebe nicht das erste Motiv ist, stimmt sicher...
KURSE JETZT !
Es sollten Kurse angeboten werden bei der VHS (Volkshochschule), die über die Rüstungsexportrichtlinien informieren.
Waffen und Macht
Ein Deutschland ohne Armee kann ich mir nicht vorstellen. Ein begrenzter Einsatz von Waffen oder eine ernst zu nehmende Drohung damit kann politische Bestrebungen unterstützen. Nicht einverstanden bin ich mit den weitgehend unkontrollierten Waffenexporten. Ich weiß auch nicht, warum wir z.B. unsere Marine so hochrüsten müssen, dass sie in Zukunft auf allen Weltmeeren präsent sein kann.Und im Verhältnis scheinen mir die Friedenseinsätze ohne Waffen dramatisch unterfinanziert. Und ebenso wird sich um die Folgen von militärischen Einsätzen zu wenig gekümmert, die Flüchtlinge, die innerlich und/oder äußerlich verletzten Soldaten, die seelischen und körperlichen Verletzungen der Menschen in den Kriegsgebieten. Für mich ist das Ganze nicht eine Frage des "entweder-oder" sondern des "zuviel" und "zu wenig".
Kommentar Weissewucherblume vom 2.9.2012
Die deutschen Waffenexporte folgen seit Jahrzenhnten recht restriktiven Rüstungsexportrichtlinien. Ob die nun "liberaler" behandelt werden sollen, wird zur Zeit kontrovers diskutiert (und zwar hauptsächlich anhand von "Voranfragen" verschiedener Länder. Dabei würde ich auch für mehr Transparenz plädieren, zumindest gegenüber den Bundestagsabgeordneten. Darin, dass zivile Friedensarbeit unterfinanziert ist, stimme ich Ihnen zu. Überhaupt überlässt die Internationale Gemeinschaft, die eigentlich sehr weitgehende Verantwortung für Afghanistan übernommen hat, einen zu großen Teil der Aufgaben dem Militär. Von einer "Hochrüstung" der deutschen Marine kann man eigentlich nicht reden; das hält sich doch in recht bescheidenem Rahmen. Aber dass sie sich an Schutz und Offenhaltung von Seewegen sowie an der Piratenbekämpfung beteiligen sollte, ist für mich eine Selbstverstänlichkeit. Oder sollte der Exportweltmeister, der mehr als viele andere auf sicheren Seetransport angewiesen ist, auch dessen Schutz lieber anderen überlassen? Für die Opfer von Krieg und Gewalt muss sicher noch mehr getan werden, die Sicherheitspolitik muss sich zunehmend auf "menschliche Sicherheit" konzentrieren, aber die Sorge für traumatisierte Bundeswehrsoldaten hat sich in den letzten Jahren schon sehr verbessert.
Hintertürchen illuminieren
Wenn`s nach mir ginge, dann würde ich jedes Schlupfloch, jede Ritze, jeden Container, jedes Kabuff, jede Rumpelkammer und jeden Lagerplatz beleuchten, auch innerhalb der Kirchen und den Kirchengemeinden, um Licht ins Dunkel zu bringen!
Ganz Deutschland wird überwacht mit Videos und mit
über 40.000 feststehenden Blitzanlagen und über 60.000 mobile Radarfallen.
Auf Schritt und Tritt wird der Bürger beobachtet und er muss Strafe bezahlen und Strafgebühren, wenn er mit 50 kmh durch die Stadt rauscht, obwohl man teilweise nur noch mit 30 kmh herumschleichen darf.
Und wir Dussligen finden das auch noch völig normal, ok und lobenswert, wenn unsere Freiheit und Demokratie auf Schritt und Tritt beschnitten wird. Uns ist es sogar völlig schnuppe, was mit unserem Geld eigentlich geschieht. Womöglich finanzieren wir selber diese Waffenschiebereien!
Wie die Waffengeschäfte ablaufen, das blitzt, filmt und beleuchtet niemand!
Pro - Aktiv
In der Süddeutschen Zeitung stand vor kurzem, dass Deutschland 120 neue Panzer ins Ausland geliefert hat. Ich glaube, es war Uganda. Dort sollen nämlich 80 km Grenzgebiet abgesichert werden.
Die Einzelteile eines Panzers werden in deutschen Firmen hergestellt. Eine Firma, die z. B. Draht-Kugellager herstellt, kann doch nicht wissen, ob dieses nun für einen drehbaren Geschützturm eines Panzers verwendet wird oder für ein dreh-und schwenkbares Röntgengerät eines Krankenhauses oder für ein Kinderkarussell, oder doch? Jeder Mitarbeiter muss irgendwie sein tägliches Brot verdienen - auch wenn man sich dafür schämen muss, dass man eigentlich in einer Rüstungsindustrie arbeitet.
Auf der anderen Seite sieht es jedoch so aus, dass bei uns in der Gegend alle Kasernen geschlossen sind. Es sieht aus, wie in einer verlassenen Geisterstadt! Was hat das zu bedeuten? Vielleicht: "Es ist Krieg - und keiner geht hin?" Prima - dann haben ja bereits alles verloren!
Die Reihen in der Bundeswehr lichten sich. Jeder zweite Soldat liegt bereits zu Hause auf dem Sofa und dreht Däumchen! Die Sparmaßnahmen der Bundeswehr aber zugeschlagen! Betroffen ist auch die Marine und die Luftwaffe.
Kampf gegen den Terrorismus?
Wie soll das gehen, bei dieser abgespeckten Truppe?
Krisenintervention? Krisenstabilisierung?
Mit diesen paar Leutchen ist da wenig zu bewegen. Schliesslich hat die Bundeswehr kurzerhand über 100 000 Soldaten außer Kraft gesetzt.
Die aktuelle Lage sieht so aus:
Auflösung der 14. Panzergrenadierdivision, Auflösung der Flugabwehrbrigade 100, Auflösung der ABC-Abwehrbrigade 100, Abgabe der Logistikbrigade 100 an die Streitkräftebasis, Auflösung der Logistikbrigade 200, Auflösung der Luftmechanisierte Brigade, Auflösung der 4. Luftwaffendivision, Auflösung des Lufttransportkommando, Auflösung des Luftwaffenausbildungsregiments 1, Auflösung des Objektschutzbataillons, Marine: Auflösung der bestehenden Typflottillen, Auflösung des 6. Fregattengeschwaders, Auflösung des 2. Schnellbootgeschwaders, Auflösung des ersten Minensuchgeschwaders, Auflösung der Waffentauchergruppe, Auflösung des Marinesicherungsbataillon 1,
Zentraler Sanitätsdienst- Auflösung und teilweise Umgliederung des Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst.....
Prost - Mahlzeit!
Gästin 2.9.2012
Zur Bundeswehrreform wollte ich auch noch eine kurze Antwort geben. Zunächst: Auch wenn viele Standortschließungen und Truppenteilauflösungen für die jeweilige Region bedauerlich sind, muss man sich doch zunächst mal darüber freuen, dass die unnatürliche militärische Zusammenballung in Mitteleuropa und Deutschland, die während des Kalten Krieges herrschte, beendet, weil nicht mehr nötig ist. Andererseits ist die Bundeswehr im Rahmen von UN, NATO und EU im Auslandseinsatz. Neue Aufträge, Modernisierungserfordernisse, demographische Entwicklung, Finanzenge bedingen einen sehr durchgreifenden Umbau der Bundeswehr und auch ihre Verkleinerung. Wie Sie das schildern und bewerten, erscheint mir nicht ganz angemessen.
Ich habe selbst (auch öffentlich) in mancher Hinsicht Kritik geäußert: an der Gefahr einer "Sicherheitspolitik nach Kassenlage", daran, dass die Argumente für die Bevbehaltung der Wehrpflicht vor Guttenbergs Entscheidung nicht wirklich widerlegt waren, daran, dass Deutschland möglicherweise bei schweren Waffen zu stark abbaut, daran, dass "Schutz Deutschlands und seiner Bürgerinnen und Bürger" - früher "Landesverteidigung" - konzeptionell nicht genügend ausgefüllt ist, daran, dass die Reduzierungen und Reformen nicht mit Ländern wie Großbritannien und Frankreich besser abgestimmt werden usw. Doch geht Verteidigungsminister de Maizière in sehr planvoller Weise vor, und wenn er nicht mehr Geld für die chronisch unterfinanzierte Bundeswehr bekommt, müssen Sie Ihre Kritik an die gesamte Regierung richten - oder an eine Gesellschaft (siehe auch mein Artikel), der die äußere Sicherheit nicht viel Geld oder große Opfer wert ist - vielleicht bis zur nächsten unangenehmen Überraschung ("Nine-Eleven" habe ich in den USA selbst miterlebt!)
Schamrot werden
Geliefert wurden 200 Panzer nach "Katar" - eine Halbinsel mit einer Landgrenze von 60 km - jede 250 m steht ein Panzer........ Katar ist stinkreich - die Panzer dienen lediglich als Statussymbol der Macht!
Nach Nepal wurden ebenfalls Waffen exportiert!
Doch was tat der Prinz von Nepal???
Er hat mit diesen Waffen, seine komplette Familie ausrotten lassen - Dank unserer Unterstützung -
Alle, die hier mitspielen, sollten vor Scham in den Erdboden versinken!
Gast 2.9. und einige andere
Uganda ist eine "Ente", bei Qatar geht es bislang um eine Voranfrage. Ich kann hier aber nicht auf alle Einzelfälle eingehen, die - oft auf sehr dünner Faktenbasis - diskutiert werden. Informationsquellen zu deutschen Rüstungsexporten (die natürlich auch ein Mittel deutscher Außenpolitik sind) finden sich sehr detailliert in Quellen wie:
- periodische Rüstungsexportberichte der Bundesregierung (auf der Website des BMWi),
- Informationsdienst Sicherheit, Rüstung und Entwicklung in Empfängerländern deutscher Rüstungsexporte des BICC (Bonn International Center for Conversion),
- vielfache Antworten der Bundesregierung auf Bundestagsanfragen.
Na wunderbar, ein
Na wunderbar, ein Brigadegeneral spricht von Frieden. Das kenn ich zur Genüge.
Lebhaft kann ich mich an die Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen" erinnern, und ich erinnere mich an eine friedliche Revolution bei der mit "keine Gewalt"-Rufen, Kerzen und Gebeten gegen eine militärische Diktatur gekämpft wurde - und gewonnen wurde!
Aber das war in einer anderen Welt, einem anderen Deutschland. Es war nicht das Deutschland das jahrzehntelang Bündnissolidarität in Anspruch genommen hat.
Aber diskutieren hilft hier nicht mehr, alter Militär bleibt alter Militär.
Gast vom 1.9.
Ihr Vorurteil scheint in der Tat aus einer "anderen Welt" zu stammen. Im Westen/in der NATO gehören führende Militärs eher zu denen, die hinsichtlich militärischen einsätzen zur Vorsicht mahnen.
Gast wrote:Na wunderbar, ein
Sehe ich genauso. Diskutieren hilft da nicht. Nicht nur alter Militär beibt alter Militär, sondern auch Machtwille bleibt Machtwille. Das können Sie z.B. sehr gut daran verfolgen, wie die ehemals pazifistischen Grünen unter Joschka Fischer den Militärschwenk vollzogen haben. Das "Nie-wieder-Krieg" Versprechen, das die Deutschen Gott nach dem Zweiten Weltkrieg gegeben haben, scheint den Speichel nicht wert, mit dem darauf gespuckt wird. "Junge," sagte vor undenklichen Zeiten ein Alter zu mir - "Jetzt schreien sie alle 'Nie wieder Krieg' - aber in ein paar Jahren oder Jahrzehnten, wenn sie alle den Hals wieder mal nicht voll genug kriegen können und der Krieg vergessen ist, dann werden sie wieder genauso bescheuert mit Krieg weitermachen, als wäre nie etwas Gravierendes geschehen."
http://youtu.be/0TZPNfJfiQ0
Zaangalewa
Siehe oben. Über heutige Militäreinsätze im UN.Auftrag kann man viel Kritisches sagen. Aber im Zeichen von "Menschlicher Sicherheit", "Schutzverantwortung" ("Responsibility to protect") sowie "Sicheheit und Entwicklung" haben sie einen vollständig anderen Charakter als die Kriege, auf die sie Bezug nehmen.
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