Protestantismus und der "Heilige Rock"

02.05.2012 | von Dr. Andreas Mühling

Vorbemerkung

Trier steht zurzeit ganz im Zeichen einer Wallfahrt. Bis Mitte Mai werden über 500.000 Pilgerinnen und Pilger zum "Heiligen Rock" erwartet. An der letzten Wallfahrt im Jahr 1996 nahm erstmals auch der damalige Rheinische Präses Peter Beier teil. Präses Beier, selbst aus reformierter Tradition stammend, interpretierte den Heiligen Rock als Symbol der ungeteilten Kirche Jesu Christi. Diese Deutung des Heiligen Rockes ermöglichte es ihm, sich ungeachtet der grundsätzlichen Bedenken und der teilweise heftigen Proteste evangelischer Gemeinden an der Wallfahrt aktiv zu beteiligen.

Vorgestellt

    Dr. Andreas Mühling

    Dr. Andreas Mühling

    ist Professor für Evangelische Kirchengeschichte und Leiter des Ökumenischen Institutes für interreligiösen Dialog an der Universität Trier.

Und in der Tat – Wallfahrten zu Reliquien widersprechen lutherischen wie reformierten Traditionen völlig. So gab es vor wenigen Jahren Diskussionsbedarf in der Evangelischen Kirche im Rheinland, aber auch in anderen evangelischen Kirchen  innerhalb der ACK, als diese zur Beteiligung an der "Christus-Wallfahrt 2012" eingeladen wurden.  Eine Wallfahrt, an deren inhaltliche Vorbereitung und Gestaltung die evangelischen Kirchen vom Bistum Trier ausdrücklich bestärkt wurden. 
 
Mittlerweile ist deutlich: Evangelische Gemeinden beteiligen sich in vielfältiger Form an dieser Wallfahrt. Verdeutlichen ihre Positionen. Diskutieren in den unterschiedlichen Foren mit. Und tragen dazu bei, dass aus der "Heilig-Rock-Wallfahrt" tatsächlich eine "Christus-Wallfahrt" wird.

Die nachfolgenden Bemerkungen sind keine Überlegungen zum Stand der Ökumene oder zu den theologischen wie kirchenpolitischen Konsequenzen, die sich aus dieser Wallfahrt ergeben. Für ein Fazit ist es noch zu früh. Aber ein Blick in die Kirchengeschichte und auf den Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, ist geboten.

Reliquien und Wallfahrten – eine lange Tradition

Die Bezeichnung "Heilig-Rock-Wallfahrt" beinhaltet zwei Begriffe, die thematisch eng zusammengehören, doch zunächst getrennt voneinander betrachtet werden müssen: "Wallfahrt" und "Heilig-Rock".

Wallfahrten lassen sich bis in die Alte Kirchengeschichte hinein zurückführen. Bereits die frühen Christen waren davon überzeugt, dass sich das Göttliche an bestimmten Orten manifestiert  und in besonderen Gegenständen wie dem Heiligen Rock konkretisiert. Der Glaube der Christen wird in dieser Begegnung gestärkt und spürbar. Die – meist mühsame und körperlich anstrengende - Wallfahrt zu diesem heiligen Ort/Gegenstand diente der notwendigen persönlichen  Buße und somit der spirituellen Vorbereitung auf die Konfrontation mit dem Göttlichen.

Zugleich kommt seit dem Hochmittelalter eine weitere, für die Reformatoren außerordentlich problematische Bedeutungsebene hinzu – die Heiligen Orte wie Heiligen Gegenstände galten vielfach als ein Offenbarungsraum, in dem sich Gott oder die betreffenden Heiligen unmittelbar dem Gläubigen real konkretisieren. Wer beispielsweise das Grab einer Heiligen aufsucht, tritt in einen unmittelbaren, höchst realen und unmittelbaren Kontakt zu der Heiligen; wer eine Reliquie berührt, berührt zugleich dessen Träger.          

In Analogie zu diesem Verständnis von Heiligen Orten wurden bereits im 11. Jahrhundert die Wallfahrten nicht nur als notwendiger Bußakt, sondern auch als eine Handlung interpretiert, der den Teilnehmenden die Sündenschuld (!) faktisch erließ. Obwohl Wallfahrten nach scholastischer Theologie "lediglich" von Sündenstrafen befreien konnten, wurde kirchlicherseits den Teilnehmenden der Erlass der Sündenschuld versprochen (siehe den Kreuzzugs-Aufruf von 1096). Überspitzt formuliert: Wer an Wallfahrten teilnimmt, befreit sich damit von aller Sündenschuld.            

Reliquienkult in der römisch-katholischen  Reformbewegung und Gegenreformation

Die sich im Konzil von Trient konstituierende Römisch-Katholische Kirche setzte sich unter anderem auch mit unserem Thema auseinander. Um der protestantischen Kritik wirkungsvoll begegnen zu können, grenzte sich das Konzil 1563 von der problematischen Bedeutungsebene Heiliger Orte und Gegenstände deutlich ab: Nach Tridentinischer Lehrauffassung meint die Verehrung daher nie den Gegenstand an sich, sondern bezieht sich stets auf Jesus Christus selbst. Die Reliquie ist also hinweisendes Symbol, das zum Glauben führen will, nicht aber Gegenstand des Glaubens selbst (Denzinger 986).

Zugleich wurde in Trient der Keim für neue konfessionelle Kämpfe und Auseinandersetzungen mit den Protestanten gelegt. Der Charakter von Wallfahrten änderte sich nämlich, wodurch die protestantische Sicht auf Wallfahrten bis in die Gegenwart hinein belastet werden sollte: Wallfahrten wurden vom Konzil ausdrücklich begrüßt. Doch nun tritt der Bußcharakter einer Wallfahrt, der für das Mittelalter prägend gewesen war, zugunsten des Charakters einer Bittwallfahrt deutlich zurück. Bittwallfahrten, die häufig in Nachbarschaft protestantischer Territorien stattfanden, erhielten auf diese Weise Bekenntnisrang und galten Katholiken wie Protestanten gleichermaßen als kirchenpolitische Glaubensdemonstration eines kämpferischen römischen Katholizismus.   

Belebung der Trierer Heilig-Rock-Wallfahrten im Fokus der Kirchenpolitik

Die Trierer Heilig-Rock-Wallfahrten spiegeln diese Bedeutungsinhalte wieder: Nachdem von 1512-1517, dann in Abstimmung mit der Aachener Marienwallfahrt in den Jahren 1524,1531,1538 und 1545 regelmäßige Wallfahrten durchgeführt wurden, trug die öffentliche Kritik an Wallfahrten dazu bei, dass diese eingestellt wurden. Im 17. und im 18. Jahrhundert wurde der Heilig-Rock dann auch nur sporadisch gezeigt. Erst im 19. Jahrhundert – 1810, 1844, 1891 – wurde diese Tradition wiederbelebt.

Gerade diese letztgenannten Wallfahrten belegen ihre starke kirchenpolitische Einbindung. Die Wallfahrt 1844 – neben den Revolutionsereignissen von 1848 die größte deutsche Massenbewegung in der  ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts -, galt einhellig als Protest gegen die preußisch-protestantische Obrigkeit. Während der Wallfahrt von 1891 mit ihren rund 2 Millionen Teilnehmenden stellte sich der Katholizismus als kulturell-politische Macht dar, die siegreich den Kulturkampf gegen die protestantische Mehrheit im Reich bestanden hatte und nun, in Abgrenzung zum Kulturprotestantismus, die sogenannte Katholische Milieubildung entschieden voranzutreiben hatte. 1933 hingegen weckte die Heilig-Rock-Wallfahrt falsche Hoffnungen. Wenige Tage nach dem Abschluss des Reichskonkordates eröffnet, vermittelte die römisch-katholische Kirche den über 2 Millionen Teilnehmenden die – wie sich wenig später herausstellte – falsche Erwartung, dass sie als einzige Konfessionskirche bei Wahrung ihrer kirchlichen Identität und Freiheit zu einer tragfähigen politischen Kooperation mit dem Nationalsozialismus kommen könne.             

1959, im Jahr der ersten Wallfahrt nach dem Krieg, wurden erstmals ökumenische Akzente gesetzt und der Heilige Rock als christologisches Symbol gedeutet: Eine Deutungsebene, die in den beiden Wallfahrten 1996 und 2012 durch die Beteiligung evangelischer Christinnen und Christen verstärkt wurde.

Wallfahrten und Reliquienverehrung aus der Sicht des Luthertums

Martin Luther setzte sich regelmäßig mit dem Thema Heiligenverehrung/Wallfahrten auseinander – mit der Heilig-Rock-Wallfahrt bereits in seiner Adelsdenkschrift von 1520. Darin fällt er ein ausgewogenes Urteil: Wallfahrten seien keinesfalls "böse", sondern ein Ärgernis, wenn sie zu "falschem Wahn und Unverständnis göttlicher Gebote" führen würden. Mit anderen Worten: Luther kritisiert den  Werkgerechtigkeitscharakter von Wallfahrten wie auch die bei zahlreichen Gläubigen damit einhergehende magische Erwartungshaltung scharf.

Die Gründe für seine Kritik wiederholte Luther mehrfach an prominenter Stelle. Unter anderem in den Schmalkaldischen Artikeln begründet er seine Ablehnung von Wallfahrten damit, weil "die Leute ja häufig von Christus weg auf ihre eigenen Werke verfallen und abgöttisch werden sollten" (Von der Messe; vgl. auch die Auslegung zum 4. Gebot im Großen Katechismus).

Diese Überzeugung Luthers wurde im lutherischen Konkordienwerk 1580 ausdrücklich kanonisiert und von der lutherischen Orthodoxie vehement vertreten.

Plurale Ansätze im reformierten Protestantismus

Diese Sicht Luthers wurde von den reformierten Theologen grundsätzlich geteilt: Bereits der ehemalige Priester an einem bedeutenden Marienwallfahrtsort Huldrych Zwingli lehnte scharf jene weit verbreitete Sichtweise ab, die zu einer Werkgerechtigkeit von Wallfahrten führe. Dadurch werde Christus verdrängt (Zwingli, Auslegung der Thesen, 1523). Calvin griff 1543 ein magisches Verständnis von Reliquien an und bezeichnete diese Form der Verehrung als "Götzendienst". Die weitere reformierte Bekenntnisbildung griff diese Position auf und registrierte mit Unbehagen, wie sehr durch das Konzil von Trient Wallfahrten kirchenpolitisch instrumentalisiert wurden (Conf. Gallicana, 1559). 

Doch der Nachfolger Ulrich Zwinglis, der auf Ausgleich bedachte Heinrich Bullinger, zeigte einen möglichen Kompromiss auf. In seiner bedeutenden Bekenntnisschrift "Confessio Helvetica Posterior" von 1566 betonte er, dass die "Heiligenfeste, die wir abgeschafft haben, zudem sehr viel Abgeschmacktes, Unnützes und völlig Unerträgliches" beinhaltet haben (15. Kap.). Bullinger sprach damit die spätmittelalterlichen Interpretationen von Wallfahrten an. Wenn jedoch, so Bullinger weiter, Wallfahrten auf Christus hinweisen und zugleich ihres kämpferischen Bekenntnisaktes entledigt würden, dann könnten diese durchaus zu den als nicht heilsnotwendigen "Mitteldingen" zählen.

Mit Konsequenzen für das Miteinander der Kirchen: Diese Rituale liegen nämlich in der Verantwortung der jeweiligen Konfessionskirche und gelten als nicht kirchentrennend (Art. 17. 27). Doch wichtig sei es dabei, dass Wallfahrten nicht als Bekenntnisplattform einer selbstbewussten Konfessionskirche genutzt werden – denn: "wenn Mitteldinge mit dem  Glaubensbekenntnis verquickt werden, so hören sie auf, frei zu sein." (ebd.) 

Fazit: Wallfahrten, Reliquien und Protestantismus

Die evangelischen Theologen nicht nur der Reformationszeit lehnen ein Wallfahrtsverständnis ab,

- welches ein magisches Denken impliziert;
- die sogenannte Werkgerechtigkeit forciert;
- Christus aus dem Leben der Gläubigen verdrängt;
- und kirchenpolitisch als Ausdrucksform eines kämpferischen Katholizismus verstanden wird.

Diese kritischen Einwände haben bis heute ihre bleibende Bedeutung. Es ist daher im Verlauf der Vorbereitungen und im Kontext der Wallfahrt selbst zu prüfen, ob und in welcher Form diese kritischen Punkte von römisch-katholischer Seite vertreten werden. Wenn solche Tendenzen zu erkennen sind, müssen diese angesprochen werden. Sollten diese kritischen Einwände jedoch ausgeräumt sein, so ergäben sich, ganz im Sinne Bullingers, zahlreiche evangelisch inspirierte Gestaltungsmöglichkeiten einer christuszentrierten Heilig-Rock-Wallfahrt 2012.

Kommentare

Sehr geehrter Herr Mühling,
Ich glaube, da haben Sie etwas grundsätzlich missverstanden. Nachdenken über angemessene Christusverehrung halte ich keineswegs für Zeitverschwendung. Nur Wallfahrten zu Schwindelobjekten, die angeblich Jesus gehört haben sollen (hat Jesus eigentlich jemals gesagt oder gebilligt, dass mit Gegenständen aus seinem Besitz - und dieser Fetzen ist noch nicht mal aus seinem Besitz, sondern eine Fälschung - ein derartiger Kult getrieben werden soll?), können niemals als angemessene Christusverehrung bezeichnet werden, und diese gefälschten Objekte führen uns auch nicht zum Glauben hin, sondern entfernen uns davon, und genau das erzielen auch "Theologen", die diesen Schwindel billigen oder - aus welchen Gründen auch immer - schönreden wollen. Insofern ist der Aufruf zu dieser Wallfahrt für mich Ausdruck einer erschreckenden theologischen Verantwortungslosigkeit. Das kann ich leider wirklich nicht anders sehen.

Schade dass Teile unserer evangelischen Kirchenleitung, dieser Art von Wallfahrt und Reliquienverehrung relativ unkritisch gegenüber stehen. Ich denke es geht hier mehr ums gesehen werden, und dass ich als kirchliche Prominenz dabei bin. Was dabei zu sagen ist, das ist dann allerdings völlige Nebensache. Hauptsache man ist bei solchen (unevangelischen) Veranstaltungen dabei. In der Lutherdekade täte uns mehr evangelisches Profil sehr gut zu Gesicht stehen. Bei allen gebotenen Respekt vor unserer Schwesterkirche - aber diese Reliquienverehrung halte ich für unangebracht.

Gruß HB

Dass die SELK....Gottesdienste so proppenvoll sind, liegt daran, dass die Mister-X-Prediger ihr eigenes Ding drehen können mit anschliessendem Bücherverkauf von ihrem "eigenen Wort".

Täschel-Täschel-Ökumene!

Zahlreiche Mitglieder der lutherischen Konfessionsfamilie arbeiten in der evangelikal ausgerichteten Evangelischen Allianz mit. Luther würde sich in anbetracht dessen, im Grab umdrehen!

Man sollte einige abwatschen und Maulschellen verhängen, die eine Familie derart ausbeuten! Kniebänke wären für diesen Vorgang sinnvoll!

Zur "lutherischen Konfessionsfamilie" wollen viele "Reingeschmeckte" dazugehören. Vor allem Überkonfessionelle und sonstige andere Konfessionen.

Ich persönlich würde es nicht zulassen, dass sich mein Nachbar bei mir in der Familie als Familienmitglied einnistet und sich in meiner Wohnung einquartiert und breit macht, auf meine Kosten. Klar, man hat Vorteile, wenn man zu eine Familie gehört. Die Familie erbringt Schutz und Fürsorge (auch materielle), ernährt, kleidet und behaust sie.

In der lutherischen Konfessionsfamilie gibt es sogenannte "schwarze Schafe". Leider ist es so, dass die Wolle eines einzigen schwarzen Schafes die Wollqualität der ganzen Herde senkt.

In der Familiendynamik erfüllt das „schwarze Schaf“ in der Rolle des Außenseiters eine wichtige Funktion in der Familie (Sündenbock), denn die Familie verstärkt den inneren Zusammenhalt auf Kosten des Außenseiters (Mobbing).

Das schwarze Schaf kann - richtig integriert - jedoch wesentlich zur positiven Entwicklung der Familie und ihrer Arbeit beitragen.

Was ich eigentlich sagen wollte!
"Lieber Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider, bleiben Sie bitte auch weiterhin das Tapfere Schneiderlein!"

Wir alle sollten innerhalb der lutherischen Konfessionsfamilie die Schwarzen Schafe positiv hervorheben !!!

Diese "Kuschelökumene" seitens der EKD geht mir gehörig auf den Keks! Die EKD sollte der römisch-katholischen Kirche mal lieber Saures statt Süßes geben.
Die EKD hat ihr Profil verloren durch diese Vermischung von lutherischer und reformierter Tradition. Wenn jede einzelne Landeskirche innerhalb der EKD ihr Profil (lutherisch, reformiert) schärfen würde, würde das der EKD sehr gut tun. Man sieht ja beispielsweise bei den Altreformierten wie prappevoll dort die Kirchen am Sonntag sind, bei der SELK übrigens genau dasselbe. Geht man in einen unionistischen EKD - Gottesdienst kann man die Besucher an der Hand abzählen.
Und an der Heilig-Rock-Wallfahrt mitmachen ist Verrat an Luther und Calvin und allen anderen Reformatoren, die unsere Kirche geprägt und gereinigt haben von diesem römischen Firlefanz!

Mit freundlichen Grüßen

Lieber Kevin Houghton,

danke für Ihre Stellungnahme. Ihre Kritik wird seit 1817, dem Jahr des Unionsaufrufes, regelmäßig vorgetragen. Ich sag´ mal so: Sie wissen möglicherweise, dass ich als Wissenschaftler und Theologe fest im reformierten Lager stehe und die historische Erforschung des reformierten Protestantismus mein Forschungsschwerpunkt bildet. Da habe ich mir im Laufe der Jahre gewisse Kenntnisse zu Zwingli, Bullinger, Olevian und Calvin angeeignet und weiß daher, dass eine klare Profilierung und zugleich die Suche nach Gemeinsamkeiten im reformierten Protestantismus keine Widersprüche sind. Ob also tatsächlich von "Verrat" an Calvin und allen anderen Reformatoren gesprochen werden kann, wage ich zu bezweifeln. Und erlauben Sie mir eine Bemerkung zu der Handvoll altreformierter Gemeinden in Deutschland (und deren Pfarrer ich persönlich sehr schätze): Dass die Gottesdienste dort "proppenvoll" sein sollen, zeigt nur, wie subjektiv solche Einschätzungen sind.

Die Legende ist eine dem Märchen und der Sage verwandte Textsorte bzw. literarische Gattung.

Bei dem Heiligen Rock handelt sich um eine Legende.

Irgendjemand will uns hier einen Streich spielen und an der Nase herumführen mit einem Heiligen Rock, der aussieht wie ein Kleid. Derartige Fopperei wird von Protestanten sofort als Unsinn entlarvt und abgeblockt!

Ich würde gerne mit Euch tiefsinnig theologisieren, geht aber leider nicht, weil es sich um einen schlechten katholischen Jux handelt. Viel Radau und Wirbel wegen nix!

Lieber Kreuzpatsch,

Bei einem ernsthaften theologischen Thema wären die meisten von uns sicher gesprächsbereit, aber wenn es um so offenkundigen Schabernack wie diesen "verfilzten, ulkigen Rock" geht (diese Formulierung hat mir sehr gefallen), braucht man nun wirklich nicht "gesprächsbereit" zu sein, das ist einfach Zeitverschwendung. Und einen gleich in die fundamentalistische Ecke stecken zu wollen (verrät übrigens auch erschreckendes Schubladendenken), nur weil man nicht jeden mittelalterlichen Unfug mitmachen will, ist so wie beim Boxen ein Schlag unter die Gürtellinie, jedenfalls sehr schlechter Stil.

Sehr geehrte Frau Fuchs,

erstaunlich, wie Sie einen "Klassiker" der Theologie- und Kirchengeschichte, nämlich die Frage nach angemessener Christusverehrung, ein Thema übrigens, um dass es sich bei auch "Wallfahrten" geht, als ein wenig "ernsthaftes theologisches Thema" abqualifizieren. Seit Jahrhunderten haben sich Theologinnen und Theologen mit dieser Frage beschäftigt. Da haben wir wohl alle etwas falsch gemacht. Traurig allerdings, dass Sie ein ernsthaftes Nachdenken darüber als "Zeitverschwendung" empfinden. Nicht allein um der Sache willen. Das kann diese ab. Sondern um der vielen guten Menschen willen, die sich an der Wallfahrt beteiligt haben. Die Entscheidung und die Motive dieser Menschen verdienen zunächst einmal Respekt. Gleich, welche Haltung Sie, werte Kommentatorin, dazu einnehmen. Eine gedankliche Beschäftigung auch mit den Motiven der Teilnehmenden an diesem "mittelalterlichen Unfug" jedoch als "Zeitverschwendung", zu bezeichnen, ist für mich Ausdruck erschreckender Theologie- und Geschichtsverdrossenheit.

Die Gründe für die Teilnahme an der Wallfahrt bei den vielen guten, protestantischen Menschen die teilgenommen haben war eine angemessene! Christusverehrung ?
Ich wünschte mir wirklich, wir würden da bessere Wege finden.

Sehr geehrter Herr Mühling,
Ich glaube, da haben Sie etwas grundsätzlich missverstanden. Nachdenken über angemessene Christusverehrung halte ich keineswegs für Zeitverschwendung. Nur Wallfahrten zu Schwindelobjekten, die angeblich Jesus gehört haben sollen (hat Jesus eigentlich jemals gesagt oder gebilligt, dass mit Gegenständen aus seinem Besitz - und dieser Fetzen ist noch nicht mal aus seinem Besitz, sondern eine Fälschung - ein derartiger Kult getrieben werden soll?), können niemals als angemessene Christusverehrung bezeichnet werden, und diese gefälschten Objekte führen uns auch nicht zum Glauben hin, sondern entfernen uns davon, und genau das erzielen auch "Theologen", die diesen Schwindel billigen oder - aus welchen Gründen auch immer - schönreden wollen. Insofern ist der Aufruf zu dieser Wallfahrt für mich Ausdruck einer erschreckenden theologischen Verantwortungslosigkeit. Das kann ich leider wirklich nicht anders sehen.

Der Artikel von Andreas Mühling ist sehr informativ. Für gesprächsbereite Leute unterschiedlicher Auffassung ist da eine Menge an Anregungen und Diskussionsstoff enthalten. Dass sich hauptsächlich kritische Stimmen gegen "Reliquienkult" und "Pilgerfrömmigkeit" (Wallfahrt) äußern liegt am Thema sowie am Medium Internet mit seiner speziellen "Kultur". Ich bin für die Darstellung der Geschichte und Entwicklung der konfessionellen Auseinandersetzung von Dr. Mühling an diesem Platz und in dieser Form dankbar.

Lieber DonAlfredo,

ich stimme Dir zu: der Artikel von Andreas Mühling ist sehr informativ. - Aber: gesprächsbereite Leute habe ich hier noch nicht "gelesen". Im Gegenteil - ich bin entsetzt welche Meinungen, die ich nur als fundamentalistisches Schubladendenken werten kann, hier verteten werden. Das lädt mich nicht dazu ein, hier zu diskutieren.

kreuzpatsch

kreuzpatsch

Es hat mich gefreut zu lesen, dass es doch noch so viele kritische Stellungnahmen gegen diesen Exzess an Volksverdummung gibt. Eine Kirche, die sich an der sog. Hl.-Rock-Wallfahrt beteiligt bzw. zur Teilnahme daran aufruft, kann keine evangelische Kirche mehr sein. Ich bin daher - durchaus schweren Herzens - schon letzten Sommer aus der EKiR ausgetreten (nachdem ich Herrn Schneider deswegen geschrieben hatte, aber natürlich keine zufriedenstellende Antwort erhalten hatte). Ein solches "Event" kann niemals Anlass für ökumenische Gespräche mit gleichberechtigten Teilnehmern sein. Da kann man ja ahnen, dass einem früher oder später die vollständige Rekatholisierung blühen würde.

Liebe Margarete Fuchs, ich bin ebenfalls erfreut über jede kritische Stellungnahme!

Es zeugt von schlechtem Benehmen, wenn protestantische Gebiete für den Katholizismus zurückzugewinnen versucht wird, mit einem verfilzten, ulkigen Rock. Die Geschichte, wie dieser Rock nach Trier unter die Glasplatte gekommen ist, ist schlicht und ergreifend "dummes Zeug".

Ansonsten sollte Herr Schneider erst mal "innerevangelische" Ökumenegespräche anregen. Es kann wohl nicht angehen, dass täglich ein neuer evangelischer Club eröffnet wird, mit neuen evangelischen Spielregeln.

Ob der Heilige Rock das friedliche Zusammenleben in Deutschland fördert, ist doch sehr fragwürdig!

Es wäre besser gewesen, man hätte einen Interreligiösen Dialog beim Bundesinnenministerium abgehalten, Pfingstsonntag wäre doch geeignet gewesen! Dort könnte dann auch gleich jeder Religionsvertreter sein Fördergeld persönlich abholen.

Herr Professor,

ich bin der Meinung, dass Wallfahrten sehr wohl als Bekenntnisplattform geeignet sind. Wo sonst kann man die Menschen besser aufklären, was Bescheisserei eigentlich ist, wenn nicht direkt vor Ort und Stelle.

Ansonsten: Bei einer Wallfahrt steht das Ziel im Vordergrund, das mit dem Auto, Bahn, Bus, Fahrrad, Motorrad erreicht werden kann, deshalb sagt man auch Wall-"fahrt". Das Ziel ist der Weg. Also die Fahrt ins Blaue. Wenn dann am Ziel ein Rock angeschaut werden kann, dann nimmt man das eben mit.

Demgegenüber sind "Pilger" vereinzelter und freier unterwegs, mit Rucksack und Wanderstock, auch wenn das Religiöse völlig in den Hintergrund tritt.
Der Anlass dieser Wanderung bzw. dieser Reise kann unterschiedliche Beweggründe haben. Der Eine bemüht sich um einen Sündenablass, der Andere will büßen für eine Tat, manche wollen ein Versprechen ablegen, einige warten auf eine Gebetserhörung, Kranke hoffen auf Heilung, oder Abstattung von Dank. Ein alter Rock kann dabei aber kaum weiterhelfen! Selbst wenn der Rock -Christuszentriert- ist, steht Christus doch nicht im Fokus. Zentralfigur ist doch wohl eher die Arbeitsgemeinschaft ACK, und was diese Arbeitsgemeinschaft so alles einfädeln kann!!! Anstatt freundlich "Nein danke" zu dieser Einladung zu sagen, haben die Damen und Herren der ACK die Einladung angenommen und unseren hochgeschätzten Herrn Nikolaus Schneider als Buhmann vorgeschickt. Der soll nun den Sündenbock spielen und als Prügelknabe herhalten.

Der Hauptdarsteller in der Hauptrolle beim Heilig-Rock-Festival ist wohl Martin Luther. Dieser kluge Mann hat bereits vor 500 Jahren vor Abzocke und Täuschung gewarnt!

Werte Kommentatorin,

ich denke, dass Sie die kirchenpolitische Bedeutung der ACK doch etwas überschätzen. Und ob sich Präses Schneider von der ACK als "Buhmann" vorschicken lässt, sein auch einmal dahingestellt .....

Wennn Sie sich doch nur einmal die Mühe machen würden, den Text sorgfältig zu lesen! Da heißt es "diente". Imperfekt! Nicht Präsens. Es ging mir in dieser Textstelle darum, die Frömmigkeitsstrukturen von Gläubigen aus der Zeit des Hochmittelalters zu skizzieren. Es scheint mir fast so, als würden Sie Ihre Feindbilder ebenfalls direkt aus dem späten 11. Jahrhundert heranziehen ....

Zauberei
Gaukelei
Blendwerk

"Magie" bezeichnet die Beeinflussung von Ereignissen, Lebewesen und Gegenständen auf außersinnliche Art und Weise.

Welcher Magier ist hier am Werk? Der Kirchenpräsident, der Papst oder wer kommt sonst noch in Betracht?

Rituale, Beschwörungen oder Hineinrufung und Okkultismus hat mit dem evangelischen Bekenntnis rein gar nichts zu tun!

Wenn die Erwartungen enttäuscht werden, dann führt dies oft zu einer Verhaltensänderung.
Diese Enttäuschung ersparen sich Protestanten!

Zitat:
"Mittlerweile ist deutlich: Evangelische Gemeinden beteiligen sich in vielfältiger Form an dieser Wallfahrt".

Diese o. g. Gemeinden verdeutlichen ihre Positionen. Nämlich, dass sie k e i n e e v a n g e l i s c h e Gemeinden sind !!!

Es wird o. g. Gemeinden N i e m a l s gelingen, das "evangelisch sein" aus den Angeln zu heben! Die letzte Hand anlegen wird Jesus Christus persönlich. Unsere protestantische Duldsamkeit hat nun ein Ende.

Der Bescheisserey hat die letzte Stunde geschlagen!

Eine Wallfahrt war und ist immer auch ein soziales Ereignis, sie führt zu Begegnungen und Austausch zwischen Gläubigen, die sich sonst vielleicht nie getroffen hätten. Das ist auch völlig okay und in Ordnung. Jedoch treffen wir Christus nicht durch einen Rock. Die Bezeichnung "Christus-Wallfahrt" ist deshalb Quatsch mit Soße. Letztendlich geht`s immer ums Geld bei derartigen Wallfahrten. Viele Wallfahrer bedeuten Viel Geld in der Gemeindekasse. Es fragt sich nur, um welche Gemeindekasse es sich handelt. Es kann keine evangelische Kasse sein!

Wir Protestanten sollten nun endlich mitdiskutieren in den unterschiedlichen Foren! Wir sollten dazu beitragen, dass aus der "Heilig-Rock-Wallfahrt" k e i n e "Christus-Wallfahrt" wird.

"Evangelisch sein" bedeutet, dass wir uns nicht
"irreführen" lassen!

Protestanten lassen sich nicht verkohlen!

Zitat aus dem Text: "Wallfahrt zu diesem heiligen Ort/Gegenstand dient der notwendigen persönlichen Buße und somit der spirituellen Vorbereitung auf die Konfrontation mit dem Göttlichen".

Zur allgemeinen Aufklärung möchte ich Euch folgendes mitteilen:

Der Buß- und Bettag wurde zugunsten der Pflegeversicherung in Deutschland abgeschafft! Das ist eine unverfrorene Frechheit! Stattdessen sollen wir zu einem Kleidungsstück pilgern und auf dem Pilgerweg büßen!!! Wie? Mea culpa und sich mit der Geisel selber den Rücken blutig schlagen? Selbstbestrafung???

Wer ist auf diese Schnapsidee gekommen?

Es geht bei diesem Buß-und Bet-Tag nicht ums Büßen für begangene Vergehen im Sinne von „bestraft werden“, sondern um eine Buße im Sinne der Reue für begangene Sünden, und eine Umkehr und Gesinnungsänderung zu Gott hin.
Umkehr zu Gott! Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass dieser Buß-und Bettag wieder als Feiertag und Nachdenktag eingeführt wird!

Geht`s noch???
Wir müssen nicht Pilgern und auf den Knien daherrutschen und ein vergammeltes Kleidungsstück küssen ! Wir müssen diesen Rock nicht berühren. Dieser Heilige Rock ist nichts anderes als eine Bakterien- und Virenschleuder, befallen vom Spaltpilz, infiziert von allen möglichen Krankheiten, weil Tausende von Menschen dieses Kleidungsstück berühren, es ist infiziert und verseucht. Also Finger weg!

Wir brauchen auch keine spirituelle Konfrontation mit dem Jenseitigen und Überirdischen.

Wir Protestanten feiern Abendmahl und alles ist gut!

"Wir Protestanten feiern Abendmahl und alles ist gut!"
Vom Heiligen-Rock-Pilgern halte auch ich als evangelische Christin nichts. Nur mit dem Feiern des Abendmahls alleine ist bei mir nicht alles gut. Persönliche Schuld muss bekannt und ans Kreuz gebracht werden, nur so erfahren Menschen eine persönliche Befreiung - die für alle Menschen gilt.

Logos Edith - Zuerst Reue - dann Vergebung! Ohne Reue - keine Vergebung!

Ich wollte eigentlich sagen, dass Protestanten zum Abendmahl pilgern, denn beim Abendmahl ist Jesus mitten unter uns, und nicht zu einem Kleidungsstück!

O.k.! Alles klar!

Wer's glaubt, wird selig? Von wegen. Ganz ehrlich meine Meinung: Der ganze Trubel der Katholiken um diese behaupteten Reliquien ist doch unwürdig. Dass es Massen an Holzsplittern (angeblich) von Jesu Kreuz gibt, zentnerweise Nägel dazu usw. usw. steht für mich beispielhaft für eine Religion, die über weite Strecken in Symbolismus erstarrt ist. Dazu passen auch der Zölibat und die Liturgie aus der Steinzeit. Was ich an der Evangelischen Kirche schätze, ist, dass sie sich mit den Menschen und ihrer Wirklichkeit weiterentwickelt, ihr inneres Wachstum gutheißt statt es zu bremsen wie der Vatikan und seine Untergebenen. Der faule Reliquien-Zauber passt weder zu einer modernen Kirche noch zu Protestanten, die einmal als vernünftigere Alternative angetreten waren. Wallfahrten sind in meinen Augen was für Ewiggestrige. (Und jetzt bin ich gespannt, wie sie über mich herfallen.)

Das glaube ich nicht, dass nun über Sie hergefallen wird. Und Ihre Position ist mir auch sehr vertraut. Meine Erfahrung nach jetzt bald drei Wochen Trierer Christus-Wallfahrt: Genau auch Ihre Meinung soll dort zu Gehör kommen. Und die anderer Christinnen und Christen. Dies ist ausdrücklich von den Organisatoren so gewollt. Plattformen dafür gibt es im Kontext der Wallfahrt genug. Also auf nach Trier, selbstbewußt Flagge zeigen und diskutieren. Nur so geht es miteinander weiter!

...das man zur Kritik an der Götzenverehrung nach Trier reisen muss. Die Kritik daran wurde schon von Künstlern dort sehr eindrücklich vertreten (Unterhose). Kritik ist hier in unserer Kirche angebracht nirgens sonst den Papst/Bischoff von Rom und seine Anhänger mag ich nicht kritisieren in deren komischen Riten sonst würde ich dort eintreten. Aber das unsere Kirche dazu aufruft einen Fetzen Stoff zu beehren finde ich schon seltsam, oder gab es bei Luther ein solum Unterwäsche? Ökumene gerne aber das mitmischen an als falsch erkannten Riten ist eher Gegenreformation. Der Präses der EKD sollte in seiner Funktion nicht zu so einem Götzendienst aufrufen, wenn er das gut als Privatmann findet soll er es machen habe ich kein Problem damit aber als Präses dazu aufzurufen behagt mir nicht.

...ist, dass ich es als Evangelischer schlichtweg beschämend finde, dass sich die heutige Ev. Kirche (in Teilen ihrer Spitze, und dann auch ausgerechnet der Schneider aus der nahezu ent-christilichen Rheinischen Landeskirche!) dieses wirklich überflüssigen "katholischen" Themas so vehement annehmen zu müssen meint ("Thema des Monats")!

Wenn ausgerechnet mittels dieser billigen, m.E. zutiefst un-evangelischen Anbiederung an historisch bereits von Luther höchstselbst als unsinnig enttarnte, verstaubte altgläubige Volksfrömmigkeitsrituale das Ökumene-Verständnis der Protestanten bleiben sollte, dann sehe ich für eine echte Annäherung auf Augenhöhe zwischen den würdigen Erben Luthers und Calvins (beispielsweise auf Gemeinde- und Synodaler Ebene, oder auch im Universitären Ev.-Theol. Bereich) und Roms auf der anderen Seite für völlig unerreichbar und auch sinn-los.

Wie gesagt, meiner anfänglichen Verwunderung über Protestanten beim Trierer Rock ist inzwischen reines Fremd-Schämen gewichen.

Sehr geehrter Herr Frieder!
Betreff des oberen Artikels über die ökumenische Wallfahrt bin ich ganz ihrer Meinung. Ich verstehe die Evangelische Kirche, Präses Schneider und die Welt nicht mehr, dass wir als evangelische Christen da mitmachen müssen. Ich empfinde dass ganze als Volksverdummung, denn die Kirche Roms wird keinen Fingerbreit von ihren Zielen, Traditionen und Dogmen abweichen.
mfg

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